Flämische Meister

Antwerpen, Flämische Meister, Flandern, Kirsten Lehnert, Kultur

Madonna trifft Tolle Grete – Zu Besuch bei zwei ungewöhnlichen Frauen

Bei meinem letzten Besuch in Antwerpen hatte ich eine besondere Begegnung mit zwei wundervollen Frauen. Die eine war länger weg, hat sich etwas aufhübschen lassen und strahlt jetzt richtig. Die andere war vorher noch nie hier, ist zwar mehr als 500 Jahre alt, aber so was von zeitlos! Die Rede ist von Grete und Madonna. Ich traf sie inmitten von dunkel vertäfelten Räumen mit wunderschönen Ledertapeten.

Eindrucksvoll präsentiert: die Sammlung im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen

Es handelt sich um zwei herausragende Kunstwerke, die gerade in der Ausstellung  „Madonna trifft Tolle Grete“ im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen gezeigt werden: die legendäre „Dulle Griet“ (tolle Grete), eines der berühmtesten Werke von Pieter Bruegel d.Ä. (1525-69), und die geheimnisumwitterte Madonna vom französischen Hofmaler Jean Fouquet (1420–71). Unterschiedlicher können zwei Bilder und Frauen wohl nicht sein.

Die Eine: ländlich, lustig, etwa skurril, in einer Umgebung voller kurioser Gestalten. Das Gemälde – wie so oft bei Bruegel ein wahres Wimmelbild – war früher als eher düstere, groteske Landschaft mit einem dunkelroten Himmel und vielen Brauntönen bekannt. Nach zweijähriger Restaurierung kann man das Meisterwerk seit Anfang des Jahres wieder an seinem angestammten Patz hier im Museum bestaunen. Wer es früher schon mal gesehen hat, wird sich wundern: Es sieht es jetzt viel frischer aus, Firnisschichten und spätere Übermalungen wurden entfernt, und nun strahlt das Bild wieder in seiner ursprünglichen Farbenpracht. Absolut sehenswert!

Eines der Highlights der Sammlung: die „Dulle Griet“ von Pieter Bruegel (c) Museum Mayer van den Bergh Antwerpen

Ihrer Zeit voraus

Die Andere ist hier nur bis zum 31. Dezember 2020 zu Gast: die berühmte „Madonna von Melun“, eine Tafel aus einem Diptychon aus dem 15. Jahrhundert. Der Maler Jean Fouquet gilt als einer der bedeutendsten Künstler an der Schwelle von der Spätgotik zur Frührenaissance und hat ein faszinierendes Bild geschaffen: Mit ihrer elfenbeinfarbenen, fast marmornen Haut wirkt die Madonna wie eine Skulptur. Die gespitzten roten Lippen, die kugelige, entblößte Brust und der Hintergrund aus blauen und roten Engeln erscheinen dabei unglaublich modern. Dass diese Madonna mehr als 500 Jahre alt ist (und damit noch älter als die dolle Grete), sieht man ihr wahrlich nicht an. Zeitlos modern oder einfach seiner Zeit voraus?  Durs Grünbein sprach in der „ZEIT“ in Zusammenhang mit dem Bild einmal von einem „Meisterwerk des gotischen Surrealismus“ – wie passend!

Jean Fouquet, Madonna von Melun (c) KMSKA, Lukas-Art in Flanders vzw, Foto Hugo Maertens

Der Entdecker der Tollen Grete

So unterschiedlich die beiden Damen sind, so verbindet sie doch etwas Besonderes: Beide sind Prachtstücke aus privaten Sammlungen, die in dieser Ausstellung gemeinsam präsentiert werden. Fritz Mayer van den Bergh (1858–1901) war Ende des 19. Jahrhunderts der größte Kunstsammler der Stadt und seiner Zeit weit voraus. Er sammelte bereits mittelalterliche Kunst der Niederlande und die Kunst der Renaissance, als diese noch ein Schattendasein fristeten. Besonderes Interesse hatte er an Pieter Bruegel d. Ä. Er gilt als Entdecker der „Tollen Grete“ und konnte auch das Werk „Zwölf Flämische Sprichwörter“ von Pieter Bruegel erwerben.

Jozef Janssens, Portrait von Fritz Mayer van den Bergh, 1901, Museum Mayer van den Bergh

Drei Jahre nach seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren verwirklichte seine Mutter seinen Traum vom eigenen Museum. Heute ist das Museum Mayer van den Bergh eines der ältesten Museen der Welt, die speziell für eine einzige Sammlung errichtet wurden. Von außen ist das würdevolle, neogotische Gebäude eher unscheinbar, so dass es mir bei meinen letzten Besuchen nie aufgefallen ist. Zu Unrecht, denn das Museum entpuppt sich im Inneren als wahre Schatztruhe, ein Kunstwerk an sich mit den prächtigen Holzvertäfelungen und den bunten Bleiglasfenstern. Man braucht schon ein paar Stunden, wenn man sich alle oft so liebevoll ausgestatten Räume in Ruhe anschauen will.

Fritz und Florent

Ein weiterer ebenso leidenschaftlicher Sammler war Florent van Ertborn (1784–1840). Seine Sammlung, zu der auch die Madonna von Fouquet zählt, ist heute im Besitz des Museums der Schönen Künste Antwerpen, das gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Umso schöner, dass hier nun erstmals seit Jahren wieder einige Meisterwerke aus seiner Sammlung gezeigt werden. In der Ausstellung begegnet man also auch nicht nur den beiden eindrucksvollen Frauen, sondern auch diversen anderen Sammlerstücken. Und vor allem lernt man die beiden Männer kennen, denen wir es zu verdanken haben, dass wir Grete und Madonna auch heute noch bewundern können.

Brüssel, Flämische Meister, Flandern, Kultur

Zum 450. Todestag von Pieter Bruegel d. Ä.

Wenn Engel fallen und Fische fliegen

von Kirsten Lehnert

Es klingt irgendwie komisch, wenn man sagt, dass man einen Todestag feiert. Sagen wir also lieber: wir begehen ihn. Oder wir würdigen den Mann, der am 9. September 1569 – also vor genau 450 Jahren – in Brüssel gestorben ist: Pieter Bruegel der Ältere, der flämische Meister, der mit seinen Bildern die Kunstwelt nachhaltig geprägt hat. Seit einigen Monaten berichten wir an dieser Stelle schon über die zahlreichen Ausstellungen und Aktionen anlässlich dieses Jubiläums. Aber es gibt immer noch Neues zu erleben und entdecken. Im Frühjahr habe ich Euch schon durch Brüssel geführt, wo der flämische Meister einen Großteil seines Lebens verbracht hat. Nun möchte ich diesen Rundgang fortsetzen und Euch noch ein paar Tipps für den Herbst geben.

Beyond Bruegel
Beyond Breugel, © Plein publiek

Eintauchen in Bruegels Welt

Von seinem großen Vorbild Hieronymus Bosch inspiriert hat Bruegel zeitlebens sehr detailreich gemalt. Um all die kleinen Bilder im Bild zu erkennen, muss man schon ganz genau hinsehen. Die Multimedia-Inszenierung „Beyond Bruegel“ kam mir da sehr entgegen. Hier kann man im wahrsten Sinne des Wortes in Bruegels Welt und seine Wimmelbilder eintauchen. Die Bilder werden in einer 360 Grad-Installation in gigantischer Auflösung großflächig an die Wände projiziert und animiert. So werden auch die kleinsten Details aus Bruegels Werk sichtbar. Da fallen die Engel herab, fliegen Kugelfische durch die Luft und über den Fußboden ergießen sich virtuelle Wellen. Wer immersive art noch nicht erlebt hat, kann sich hier auf ein ganz neues Kunst-Gefühl freuen. „Beyond Bruegel“ ist noch bis Januar 2020 im Dynastiegebäude auf dem Kunstberg zu sehen.

Durch das „Hallepoort“ in ein neues Bruegel Universum

Hallepoort

Ein weiteres virtuelles Tor ins Bruegel Universum öffnet sich am 19. Oktober im „Hallepoort“. Im mythenumwobenen Stadttor, das der berühmte Maler früher sicher häufig durchschritten hat, gibt die Ausstellung „Back to Bruegel“ spannende Einblicke ins 16. Jahrhundert. Dort werden auch Originalschätze aus der Neuen Welt, Musikinstrumente und wissenschaftliche Messgeräte präsentiert, wertvolle Leihgaben aus den Königlichen Museen für Kunst und Geschichte. Von Eurer Zeitreise könnt Ihr Euch in einem der gemütlichen Lokale am Fuße des Stadttores, etwa der Brasserie Bruegel, erholen. Zugegeben, anlässlich des Jubiläumsjahres „bruegelt“ es in Brüssel an fast jeder Ecke – zahlreiche Restaurants bieten „Bruegel-Menüs“ an, das traditionelle Sauerbier Lambic wird nun als „Bruegel-Bier“ angepriesen und in diversen Schaufernstern entdeckt man den großen Meister – aber dieses Lokal hieß  auch vor dem Jubiläumsjahr so.

Brasserie Brueghel

Aber zurück zum Künstler selbst. Dieser war, was Wenige wissen, weit mehr als der „Bauernbruegel“ mit seinen vielfarbigen Gemälden. Im Laufe seines Lebens gestaltete er ungefähr sechzig Drucke (als Grafiker war er also weit produktiver als als Maler): Es waren die Drucke, die seinen Weltruhm begründeten und Bruegel spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der  Druckgrafik in Flandern, das sich Mitte des 16. Jahrhunderts zum internationalen Zentrum für die Herstellung von und den Handel mit Drucken entwickelte. Die Königlichen Bibliothek Brüssel ist im Besitz einer einzigartigen Sammlung von Bruegels Arbeiten auf Papier. Die schönsten Stücke werden nun exklusiv für die Sonderausstellung „Bruegels Welt in Schwarz und Weiß“ aus dem Lager geholt. Ihr könnt sie ab dem 15. Oktober in der Königlichen Bibliothek Brüssel sehen.

Die Bruegel Street Art Route

Street Art Bruegel Guitar Rue de la Rasière – Sistervatstraat
© visit.brussels, Jean-Paul Remy, 2019

Zwischen all diesen Museumsbesuchen empfehle ich euch, einfach mal durch die Straßen der Stadt zu schlendern. Wer die Augen offen hält und hochschaut, kann auch entdecken, wie der alte Meister noch heute junge Künstler inspiriert. Mein Tipp: folgt einfach der Bruegel-Street-Art-Route, die 14 ganz unterschiedliche Kunstwerke umfasst.

Ein Abstecher nach Antwerpen

Zum Schluss empfehle ich noch einen kurzen Abstecher nach Antwerpen. Hier lohnt es sich, der Tollen Grete einen Besuch abzustatten. Wer das ist, und was diese einfache Bäuerin mit einer Madonna zu tun hat, das verrate ich demnächst an dieser Stelle.

Flämische Meister, Flandern, Janett Schindler, Kultur

Mit Bruegel nach Bokrijk

von Janett Schindler

Ich liege auf dem Boden einer riesigen Scheune und schaue in einen Spiegel über mir. Als Teil eines sehr alten Gemäldes. Ich bin Teil von Pieter Bruegels „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“. Ein Bild aus dem Jahr 1559. Wie genau ich Teil dieses Bildes wurde und warum nicht nur Bruegel-Fans unbedingt nach Bokrijk reisen sollten – das erfahrt ihr hier!

Bokrijk – ein Freilichtmuseum

Die Domein Bokrijk ist ein ehemaliges Landgut mit einer bewegten Geschichte, die 1252 begann. Das Wort Bokrijk stammt vom Buscurake (Reich an Buchen). Ein Wald umgibt auch heute zu einem großen Teil das Gelände des Museums. Abtei, Bauernhof, Landgut – bis das Museum 1958 eröffnet wurde verging einige Zeit.

© Janett Schindler

Die Idee des Museums? Historische Gebäude aus Flandern langfristig zu erhalten. Insgesamt 140 historische Gebäude sind hier zu finden. Das älteste Haus stammt aus dem Jahre 1507.  Just aus jener Zeit also in der Pieter Bruegel als Künstler vor allem in und um Brüssel tätig war. Anlässlich des Bruegel-Jahres 2019 widmet sich das Freiluftmuseum dem Künstler auf 11 Stationen.

Die 11 Stationen der “World of Bruegel”

Am Eingang werden wir von Jaak Meyssen erwartet.  Mit “Willkommen in Bokrijk!” begrüßt er uns in einem recht guten Deutsch. Schon im Eingangsbereich fallen mir die die roten Markierungen im Park auf. “Dies ist der Bruegelparcour!” berichtet Jaak. Insgesamt 11 Häuser und/oder Orte beziehen sich auf die Kunst und das Leben von Bruegel.

© Janett Schindler

Im Infocenter erhalte ich ein “Narrenarmband”. Mit einem virtuellen “Hut”, der sich auf meinem Band befindet, kann ich auf Schatzsuche gehen und unterwegs Objekte digital sammeln – die zum “Der Kampf zwischen Karneval und Fasten” – Kunstwerk passen. Auf dem Armband können zudem Bilder gespeichert und die Tour später noch einmal erlebt werden.

Auch wenn “The World of Bruegel” in Bokrijk nur bis zum 20.10.2019 läuft – Bruegel findet hier immer statt. Ein großer Teil des Freiluftmuseums ist stark vom Renaissance-Künstler beeinflusst. Josef Weyns, der erste Kurator von Bokrijk hat sich bei der Konzeption des Parks stark von den Bildern von Bruegel dem Älteren inspirieren lassen.

© Janett Schindler

Vor allem in den Museumsteilen Haspengau und auch in Ost- und Westflandern erkennen Kunstbegeisterte sehr häufig Ähnlichkeiten.

Wir gehen auf Entdeckungsreise – und ich verweile etwas länger in der Scheune Lommel-Kattenbos. Hier zeigt sich wie talentiert Pieter Bruegel der Ältere in Landschaftsmalerei war. In der Gemäldeserie von 1565 zeichnet Bruegel die Monate auf. Ein Gemälde fehlt und wurde bisher nie gefunden – dies wurde vom belgischen Künstler Frits Jeuris gemalt und passt perfekt in die Bruegel-Serie. Oder erkennt ihr den Unterschied?

Die Jäger im Schnee, Die Heimkehr der Herde, Die Kornernte, die Heuernte und der Düstere Tag sind als Kopie in Bokrijk zu finden. Das Frühlingsbild wurde von Frits Jeuris gemalt.
© Janett Schindler

An der Spielscheune laufen wir vorbei und begeben uns zum Bruegel-Hof Vorselaar. Dieser entspricht übrigens dem “Bruegel-Hof” aus Pieter Bruegels Werken recht gut. In der Küche des Hofes, die dem Leben im 16ten Jahrhundert nachempfunden ist, entdecke ich die beiden Bruegel Kunstwerke “Die Magere Küche und die Fette Küche”. Wie passend! An einem Tisch möchte ich gerne basteln. Jaak schaut auf die Uhr. Wir haben noch einiges mehr zu entdecken!

Vorbei an der Windmühle entdecke ich auch die Landwirtschaft. Kühe und Schafe weiden, es wird Gemüse und Hanf angebaut und mich würde es gerade nicht wundern wenn plötzlich auch noch ein paar Enten den Weg kreuzen würden.

Die Windmühle ist besonders – sie lässt sich mit dem Wind drehen. Apropos Mühle – aufgrund seines Namens wird bis heute vermutet dass Bruegel aus Brogel stammt und dort vielleicht in einer Mühle aufgewachsen ist. Die Ölmühle Ellikom ist dieser Zeit nachempfunden.

© Janett Schindler

Wir gehen an einer Kreuzung vorbei durch einen Wald und hören von Jaak Meysen die Geschichte von Bruegels Wildem Mann. Die Hütte des wilden Mannes könnt ihr übrigens auch in Bokrijk besuchen. Ich hab mich nicht getraut!

© Janett Schindler

Am Platz der Sinne befindet sich eine Tribüne. Ab Mitte Juli bis Anfang September könnt ihr euch hier täglich zwischen 11 und 14 Uhr von Künstlern in eine Brugel-Welt entführen lassen. Was die Sinne angeht – dort gibt es auch eine leckere Paradieswaffel zu probieren. Die hat jedoch mit der heute bekannten belgischen Waffel so gar nichts gemeinsam. Unbedingt probieren!

Paradieswaffel (von Zutaten aus dem 16ten Jahrhundert inspiriert), © Janett Schindler

Inzwischen sind wir am Ende unserer Tour angekommen – der Scheune von Zuienkerke.  Die Scheune aus dem 16ten Jahrhundert ist riesig. Ich bin an diesem Tag fast allein in der Scheune und komme aus dem Staunen nicht heraus.

© Janett Schindler

Das Gemälde “Der Kampf zwischen Karneval und Fasten” wird im inneren der Scheune gespiegelt – was jedoch noch viel cooler ist – es gibt die Möglichkeit sich durch diese Spiegelung selbst in das Bild hinein zu beamen. In dieser Größe werden mir so einige Details des Kunstwerkes erst bewusst – Gestiken, Mimiken und besondere Figuren. Die Details, die rund um das Gemälde zu finden sind, sehe ich erst auf den zweiten Blick und auch die virtuellen Spiegel sind für alle “Hut-Sammler” recht spannend. Ein tolles Finale einer spannenden Tour!

Habt ihr Hunger? Essen wie im 16ten Jahrhundert

Jaak bringt uns wieder zurück ins Zentrum von Bokrijk. “Habt ihr Hunger?” fragt er uns. Und ja. So viel Kultur und Kunst macht hungrig. Im “In St. Gummarus” werden wir schon erwartet. Auf Empfehlung probiere ich einen “Wilden Mann” – ein Dunkelbier.

© Janett Schindler

Ziemlich stark! Unser Tisch (romantisch am Kamin) füllt sich kurze Zeit später mit dem “Bruegel-Menü”. Pommes, Gulasch, Apfelmus, Hackbällchen, Krautsalat – wir sind froh nur eine Portion geordert zu haben. Zum Nachtisch gibts eine Paradieswaffel – jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Platz für das Mittagsnickerchen!

Ein Kreativprogramm zum Abschluss.

Mit dem Schlaf nach dem Essen wird es nichts – denn wir haben an diesem frühen Nachmittag noch zwei Termine. Brot backen und Töpfern. Das sind übrigens nicht die einzigen Kreativkurse die in Bokrijk angeboten werden.

Im Bruegel-Jahr gibt es einen Workshop zum Thema “Hüte” – wir jedoch probieren uns am Brot und am Ton. Zuerst gestalten wir ein Brot – der Teig wurde schon vorbereitet.

© Janett Schindler

Nach gut 10 Minuten waren meine Figuren fertig – und landeten im Ofen und ich machte mich auf zum Töpfern. Spannend – dies auch mal auszuprobieren!

© Janett Schindler
  • Mehr über die Ausstellung: https://www.dewereldvanbruegel.be/de/
  • Der Eintritt in das Freiluftmuseum kostet 12,50 Euro für Erwachsene, Kinder bis 12 Jahre zahlen 2 Euro. Der Parkplatz schlägt mit 5 Euro zu Buche.
  • Das Museum ist geöffnet von April bis Ende Oktober – Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr.
  • Kreativkurse und auch das Essen sollten vorbestellt werden
  • Führungen sind möglich ab 5,50 Euro pro Person.
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In Situ: Kleine Städte, große Meister

Eine Rundreise zu Leonardo da Vinci, Rubens, van Eyck und zu Gretel ohne Hänsel

von Jan-Kai Vermeulen

Ivo Cleiren wartet vor einem mächtigen Holztor in der riesigen Abtei von Tongerlo auf mich. Nein, er sei kein Mönch, sein langes weißes Gewand sei die Kleidung der Norbertiner, eine Priestergemeinschaft des Augustiner-Ordens. Der überaus freundliche 70-Jährige, der hier seit 50 Jahren lebt, ist der Kurator des Abdij-Museums und will mir das Geheimnis von Leonardo da Vinci in seiner Abtei erklären. „Kommen Sie mit.“ Ich folge in ein Labyrinth von Gängen.

Das Projekt „In Situ“

Fünf von 45 Orten werde ich besuchen, die zum Projekt In Situ gehören. In Situ heißt Vor Ort; die Bilder von großen flämischen Meistern finden sich meist in abgelegenen Städtchen und Dörfern – immer an ihrem angestammten Ort in Kapellen, Klöstern, Beginenhöfen oder Schlössern, von Maaseik im Osten bis Veurne nahe der Küste.

Van loon Visitation, Flemish Masters in Situ

In der Basilika von Scherpenheuvel dreht sich alles um die Gottesmutter. „Welkom bij Maria“ steht groß in Weiß auf leuchtendem Lichtblau über dem Eingang der achteckigen Pilgerkirche. Sieben Werke von Theodoor van Loon sind zu sehen, das wichtigste, „Mariä Himmelfahrt“, hängt hinter dem Altar. Gerade läuft eine Messe, es ist brechend voll. Kaum ist die Messe beendet, wird in situ die nächste gestartet. Weltliches Kunstinteresse muss warten.

Gut, dass die sechs anderen Bilder ringsherum in Chorecken platziert sind. Da kann ich zum kräftigen Gesang der Priester reichlich schriftliche Erklärungen aufsaugen. Zum Beispiel: „Sehen Sie, was für ein schönes Baby Maria ist! Die Engel tollen freudig herum.“ Und dann Marias Lebensweg verfolgen: immer im lichtblauen Gewand.

Spannende Einblicke in neue „Ausstellungsräume“

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Farbfilm vergessen? Bruegel kann auch Schwarz-Weiß

von Kirsten

Wer an Pieter Bruegel den Älteren denkt, hat meist seine farbenfrohen Gemälde vor Augen. Zwei Ausstellungen in Brüssel präsentieren in diesem Jahr eine ganz andere Facette: seine Zeichnungen und Druckgraphiken. Also: Bruegel in Schwarz-Weiß. Bruegel in klein und auf Papier. Klingt zunächst nicht so spannend. Ich muss ja zugeben, dass ich eine glühende Verehrerin von Bruegels großen, bunten Wimmelbildern bin. Ich war daher eher skeptisch. Würde es mir ebenso viel Spaß machen, Bruegels Welten auf zwei Farben reduziert zu sehen? Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ja!

Ich habe den Praxis-Test gemacht und mir schon vor der offiziellen Eröffnung die Ausstellung „Druckkunst im Zeitalter von Bruegel“ im BOZAR in Brüssel anschauen können. Die zählt zu den großen Bruegel-Ausstellungen, die in den nächsten Monaten im Rahmen der Themenjahre „Flämische Meister 2018-2020“ zu sehen sind. Sie ist nicht nur zeitlich die erste, sie ist auch ein perfekter Einstieg ins Thema. Denn hier versteht man direkt, warum ein Maler wie Bruegel überhaupt in Schwarz-Weiß bzw. mit Druckgraphik arbeitete.

Einer der Gründe heißt schlicht: Marketing. Bruegel „eroberte“ die Welt damals nämlich nicht als Maler, sondern mit seinen gedruckten Zeichnungen. Dank der Erfindung des Drucks konnte sein Verleger und Drucker Hieronymus Cock die „Welten Bruegels“ vervielfältigen, sie relativ schnell und kostengünstig nach ganz Europa liefern und Bruegel so bekannt machen.

Flandern – das Silocon Valley des 16.Jahrhunderts

© Königliche Bibliothek Belgien

Die Erfindung der Druckmaschine damals war einfach revolutionär. Ein Effekt, den man heute mit dem von Facebook oder Instagram vergleichen kann. Flandern war damals DAS Zentrum dieser Revolution – also in etwa das Silicon Valley des 16. Jahrhunderts. Und so zeigt die Ausstellung auch diese spannenden Veränderungen der Zeit. Es entwickelten sich neue Geschäftsmodelle, Arbeiten italienischer Künstler konnten nun problemlos in anderen Ländern gezeigt werden, Trends gesetzt werden. Natürlich erfuhr ich in der Ausstellung auch einiges über die technischen Vorgänge des Drucks. Und nicht zuletzt sah ich faszinierende und teilweise wunderbar skurrile Arbeiten etwa von Albrecht Dürer, Jan Gossaert oder Maarten van Heemskerck.

Jan Gossaert, Caen en Abel © BOZAR

Nun freue ich mich umso mehr auf „Die Welt von Bruegel in Schwarz und Weiß“, wie die Ausstellung in der Königlichen Bibliothek Belgiens in Brüssel heißt, die ab Oktober dort zu sehen sein wird. Sie beeindruckt mich schon vorab durch die schieren Fakten: die Bibliothek zeigt ihren gesamten und einzigartigen Bestand an Bruegels Graphik.

Filigrane Schätze

Da Papier sehr empfindlich ist und die Arbeiten schon jahrhundertealt sind, können die Arbeiten nur sehr selten und wenn, auch nur für kurze Zeit präsentiert werden. Die Blätter müssen nach maximal vier Monaten wieder in den Tresor zurück und vor Licht geschützt werden. Im Falle von Bruegel weiß niemand, wann sie in diesem Umfang das nächste Mal hervorgeholt werden.  Besonders gespannt bin ich auf die Skizzen und Zeichnungen von Bruegel, die auch ausgestellt werden. Jahrhundertealte Papiere mit den Spuren der Zeit, auf denen er mit leichten, wunderschönen Strichen – entweder mit einer Feder oder einem Pinsel – die phantastischen Wesen, die wunderschönen Landschaften oder die beeindruckenden Kompositionen festgehalten hat. Die Zeichnung war für Bruegel oft ein Experimentierfeld. Hier konnte er Themen und Figuren für sich ausprobieren. Und manche davon nahm er schließlich – viel später – in seiner Malerei wieder auf.

Pieter Bruegel d.Ä., Die sieben Todsünden © BOZAR

In Schwarz-Weiß werden auf jeden Fall feine und besondere Einblicke in die Arbeit von Bruegel geboten. Diese bringen mir neben dem Faszinosum des „Exportschlagers“ Druckgraphik den Künstler wieder ein Stück näher.

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Begegnungen mit Pieter Bruegel

von Kirsten

Neulich bin ich schmunzelnd aus einer Kirche gekommen. Warum? Weil ich dort eigentlich auf der Suche nach dem Grab von Pieter Bruegel war, stattdessen aber auf eine Reihe ungewöhnlicher Figuren stieß.

Bilder: Kapellerkerk, © Bowling Visit Flanders

Da ragten plötzlich kleine Beinchen aus einem Taufbecken, als wäre gerade ein kleines Männchen zum Schwimmen reingesprungen. Links neben dem Altar entdeckte ich ein behelmtes Wesen, das an einer Säule emporklettert als wolle es sich mit dem steinernen Totenkopf über ihm anlegen. Als ich den Engel sah, der über dem Altarraum in der Luft schwebt, da kam mir die Eingebung. Der Engel hatte nämlich verblüffende Ähnlichkeit mit einer Figur aus meinem Lieblingsbild von Pieter Bruegel „Der Sturz der rebellierenden Engel“.

Ich hatte bei meinem Besuch in Brüssel den Spuren Bruegels folgen wollen und war dabei zwangsläufig in der Kapellekerk gelandet. Der große flämische Meister, der damals um die Ecke dieser Kirche im Marollenviertel wohnte, hat hier geheiratet und wurde auch hier begraben. Aber zurück zu den Figuren. Ich fand nicht nur weitere skurrile Figuren dieser Art in der ganzen Kirche (manchmal muss man schon ganz genau hingucken), sondern am Eingang der Kirche auch die Erklärung dazu: Ein passendes Heft für diese Schnitzeljagd, in dem alle Figuren aufgeführt werden, die es zu finden gilt. Sie stammen allesamt aus Bruegel-Bildern und sind somit Appetithäppchen auf das Bruegel-Jahr, das 2019 anlässlich des 450. Todestags des Malers gefeiert wird.

Den Hunger stillen kann man übrigens nicht erst Ende Februar 2019, wenn die ersten der großen Sonderausstellungen in und um Brüssel eröffnen. Schon jetzt gibt es viele permanente Angebote rund um Bruegel in der Stadt.

Ständig da ist zum Beispiel die Bronzeskulptur direkt vor der Kirche, die den Künstler in Malerpose zeigt und die immer gut für ein Selfie ist. Nur wenige Meter weiter, in der Rue Haute 132, findet ihr das eher unscheinbare Wohnhaus von Pieter Bruegel. Einige Fußminuten von der Kirche entfernt, oben auf dem Mont des Arts, wo einst die mächtigen Mäzene des Künstlers residierten, findet ihr heute zahlreiche Werke von Bruegel im Original.

Die Königlichen Museen der Schönen Künste von Brüssel (KMSKB) etwa besitzen die weltweit zweitgrößte Bruegel-Gemäldesammlung. Hier habe ich mich nach dem ungewöhnlichen Kirchenbesuch noch mal richtig in die Kunst vertieft. Und ich habe tatsächlich einige Figuren aus der Kirche wiedererkannt. Denn schließlich hängt hier im Bruegel-Saal das Originalbild mit den rebellierenden Engeln. Wie viele andere Bruegel-Bilder ist es ein wahres Wimmelbild, das unzählige Geschichten erzählt. Manch winziges (und oft witziges) Detail bliebe einem vielleicht ewig verborgen, wären da nicht die „Unseen Masterpieces“. Das ist eine virtuelle Ausstellung in den KMSKB mit neun Touchscreens, die die Meisterstücke zeigt, wie ihr sie noch nie gesehen habt. Zusammen mit Google wurden 12 Meisterwerke renommierter Museen in einer unfassbar hohen Auflösung – megapixel-genau – aufgenommen und nun so präsentiert, dass man sich so weit in die Bilder hineinzoomen kann, wie man will. In einer „Bruegel Box“ könnt ihr sogar selbst in die Bruegelschen Bilderwelten eintauchen. Denn hier werden die Bilder flächendeckend an die Wände eines eigenen Musemsraums projiziert und erläutert.

Brüssel-Bruegel-Box

Noch ganz beglückt von diesem intensiven Kunstgenuss und von der Tatsache, dass ich so viele meiner neuen Bekannten aus der Kapellekerk wieder getroffen hatte, verließ ich auch das Museum schmunzelnd. Ich hätte nie gedacht, dass alte Meister so viel Spaß machen können!

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Adel verpflichtet – Leuven präsentiert die Arenbergs!

von Kirsten

Kennt ihr eigentlich Leuven, das malerische Universitätsstädtchen in Flandern? Vielleicht habt ihr ja schon mal vor dem wohl schönsten gotischen Rathaus der Welt gestanden, oder ihr habt im Leuvener Kruidtuin, dem ältesten botanischen Garten Belgiens, die Pflanzenvielfalt bestaunt? Aber wusstet ihr auch, dass Leuven seine eigenen „Royals“ hat? In den nächsten Monaten macht die Stadt mit zwei großen Ausstellungen und einem Rahmenprogramm eine ihrer bedeutendsten Familien wieder lebendig: die Arenbergs. Eine Adelsdynastie, die in den vergangenen Jahrhunderten unverkennbar Leuven, Belgien und Europa geprägt hat.

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Flämische Meister, Flandern, Kirsten Lehnert

Wie Jan van Eyck die Malerei revolutionierte

von Kirsten

Falten, Bartstoppeln, Tränensäcke oder schiefe Nasen – ist euch schon mal aufgefallen, dass man sowas früher auf Gemälden nicht gefunden hat? Im Gegenteil, da wurde kräftig idealisiert und geschönt. Das änderte sich erst im Spätmittelalter mit Jan van Eyck (um 1390 bis 1441), einem der bedeutendsten Flämischen Meister und Wegbereiter der „Flämischen Primitiven“. Der Begriff, der aus dem 19. Jahrhundert stammt und für eine besondere Künstlergruppe und eine Malerei steht, wird heute kaum noch verwendet. Kein Wunder, verbindet man mit dem Wort „primitiv“ doch alles andere als das, was Künstler wie Jan van Eyck, Hans Memling, Hugo van der Goes und Gerard David damals geschaffen haben.

Schauen wir uns genauer an, was das revolutionär Neue war: Die „altniederländische Malerei“ wie es heute in der Kunstgeschichte heißt, steht nicht nur für fotografisch detaillierte Oberflächendarstellungen, für die schonungslos naturalistische Abbildung von echten Menschen mit all ihren Makeln. Sie steht auch für eine seit der Antike nicht mehr erreichte Naturbeobachtung und -treue sowie äußerst wirkungsvoll eingesetzte Lichteffekte und Farben. Zudem wurden die im Mittelalter üblichen Goldgründe durch realistische Landschaften als Bildhintergrund ersetzt. Es änderte sich aber nicht nur Maltechnik: Plötzlich hatten die Heiligen ihren Platz nicht mehr nur in den Gotteshäusern, sondern auch in den Wohnstuben der Bürger – wenn auch nur der Wohlhabenden. Diese ‘Verbürgerlichung’ und fotorealistische ‘Natürlichkeit’ weisen schon in die Neuzeit und sie begründen die europäische Malerei, wie wir sie heute noch kennen und bewundern. Eine ungemein wichtige Kunstepoche also. Weiterlesen …

Flämische Meister, Kirsten Lehnert

Rubens und Moretus – eine fruchtbare Freundschaft mit Folgen

von Kirsten

Ich liebe Bücher und ich habe ein ausgesprochenes Faible für Kunst und Design. Ich verbringe viele Stunden in Museen, Ausstellungen und Bibliotheken. Die neue Ausstellung „Baroque Book Design. Eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenarbeit“ im Museum Plantin-Moretus in Antwerpen ist daher ganz nach meinem Geschmack. Bis zum 6. Januar 2019 ist sie noch zu sehen. Sie ehrt nicht nur die Zunft der Buchgestalter, sondern auch Peter Paul Rubens als Buchdesigner.

Nachdem im Juni ja schon die ersten Ausstellungen im Rahmen des Themenjahres „Antwerp Baroque 2018. Rubens inspires“ eröffnet haben, folgt nun der zweite Schwung. Und dabei richten sich die Scheinwerfer des Festivals – in der Geburtsstadt des epochalen Topstars – auch wieder auf den großen Künstler persönlich. Dass Rubens mit seinen prallen Damen Lebenslust, Überschwang, Pioniergeist und ganz viel Emotion verkörpert, ist hinlänglich bekannt. Eher im Hintergrund bleiben häufig andere Aspekte seines künstlerischen Schaffens und des Netzwerks, das Rubens zeitlebens pflegte – etwa die Freundschaft mit dem Antwerpener Verleger Balthasar Moretus. Dieser lebte von 1574 bis 1641 und war Enkel des berühmten Christoffel Plantin und Sohn von Jan Moretus, den Begründern der großen Druckerdynastie in Antwerpen. Wohnhaus und Druckerei sind heute als Museum zugänglich.

Printing factory, Museum Plantin-Moretus, © Filip Dujardin

Balthasar I Moretus, Titelseite des Breviarum Romanum

In dem prächtigen Gebäude wird die jahrhundertealte Geschichte des Buches und der Buchdruckerkunst zum Leben erweckt. Ihr erhaltet einen Blick in eine einzigartige Sammlung: die ältesten Druckpressen der Welt, eine einmalige Bibliothek mit Zehntausenden von Büchern und eine herrliche Kunstsammlung. Unzählige Buchstaben liegen hier gut sortiert in den Regalen, als hätten die Setzer sie gerade erst dort hingelegt. Kein Wunder also, dass das Museum Plantin Moretus im Jahr 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde – übrigens als allererstes Museum der Welt.

Die Druckerei ist nicht nur ein eindrucksvolles Technikdenkmal, es ist auch die Keimzelle für eine neuen Gattung Buch. Im 16. Jahrhundert – der moderne Buchdruck in Europa war noch keine hundert Jahre alt – entstanden viele neue Arten von Büchern. Das ist nicht zuletzt Verlegern wie der Familie Plantin-Moretus zu verdanken. Sie suchten nach neuen Wegen, Informationen und Ideen auf Papier zu drucken und zu ordnen. Sie dachten darüber nach, wie Texte besser gesetzt werden konnten, wie Bild und Text zusammenspielten, und was die Titelseite eines Buches darstellen konnte und sollte. Damals entstand das gedruckte Buch, wie wir es heute kennen – und auch heute noch stellen sich Verleger und Designer zu Beginn eines Publikationsprojekts ähnliche Fragen.

Es war Balthasar I Moretus, der erstmals prominente Künstler für seine Buchprojekte gewann. Und hier kommt dann auch Rubens ins Spiel: als Freund der Familie hatte er bereits zahlreiche Familienportraits gemalt. Nun erhielt er zum Beispiel den Auftrag für die Illustrationen für neue Gebetbücher und machte sich damit erstmal als Buch-Designer einen Namen. Der Besuch im Museum Plantin-Moretus lässt daran keinen Zweifel und zeigt, dass auch Rubens‘ Zeitgenossen Erasmus Quellinus, Karel de Mallery, Peeter de Jode und Abraham Van Diepenbeeck Entwürfe für Titelseiten und Illustrationen lieferten und somit im Buchgewerbe mitmischten. Ihr könnt in der Ausstellung tief eintauchen in die Geschichte, das Handwerk und die Kunst des Buches. Weiterlesen …

Flämische Meister, Flandern, Jan-Kai Vermeulen

Schneller gelebt – Barockmaler Adriaen Brouwer

von Jan-Kai

Der Nichtbrauer aus den Brauhäusern, bekommt in Oudenaarde seine große Show

Adriaen Brouwer ist einer der großen Flämischen Meister aus der zweiten Reihe, gleich hinter den Topstars Rubens, Rembrandt, Breughel, van Eyck. In Oudenaarde, seinem Geburtsort 30 Kilometer südlich von Gent, denkt man über den berühmtesten Sohn der Stadt natürlich anders. Obwohl: „Manche Menschen in Oudenaarde glauben wirklich“, sagt Fremdenführerin Bernadette van Damme, „Brouwer? Na, der war wahrscheinlich Brauer, oder?“

Zum Brauen hatte Brouwer (1605-1638) tatsächlich ein intimes Verhältnis. Seine Bilder zeigen mehrheitlich Szenen aus Brauhäusern. Wunderbare Trinkerfratzen hat er gemalt, selig besoffene Schluckspechte, grobschlächtige Bauern, ordinäre Tagediebe paffend oder prügelnd, Soldatenvisagen beim Kartenspiel, die Augen gern verdreht, glücksberauscht. Wirtshaussatire, lobt die Kunstgeschichte. Satire? Eher war Brouwer ein Dokumentarist des Alltags. Rubens, bei dem Brouwer jahrelang arbeitete, schätzte ihn außerordentlich und sammelte seine Bilder.

Ansonsten war die Wertschätzung Brouwers zu Lebzeiten überschaubar. Weil seine deftigen Motive bei Adel & Co gebremste Kauflust auslösten, gilt er als armer Poet unter den Pinselführern. Einmal wurde sogar sein Hausrat gepfändet. Er war bekannt für seine ungewöhnlich kleinen Werke (etwa DIN A4), die waren schnell zu verkaufen, das schnelle Geld schnell zu versaufen. „Brouwer hat drei mal so schnell gelebt wie andere“, sagt van Damme; er habe, heißt es 1876 in einer Biografie, „dem Bacchus wol manchmal mehr als gut huldigend“ gelebt und wurde auch nur 32 Jahre alt. Für sein Begräbnis in Antwerpen musste gesammelt werden.

Kein einziges Brouwerbild hängt in Oudenaarde. Das hat sich sich mit dem 15. September verändert. Dutzende Werke kommen aus New York, Los Angeles, Philadelphia, den Niederlanden (wo Brouwer in Haarlem mit Frans Hals arbeitete) und aus der Alten Pinakothek in München, die allein 17 Brouwersche Zechergemälde hat. Die Ausstellung ist im Museum MOU im alten Stadthaus zu sehen. Hier ist dauerhaft eine Sammlung riesiger Wandteppiche ausgestellt. Gobelin-Teppiche waren ab dem späten Mittelalter das Wahrzeichen der Stadt; in diesem Gewebe-Gewerbe arbeitete auch Brouwers Vater als Vorlagenmaler.

Die Operation am Rücken. 1636, Adriarn Brouwer, © Städel Museum, Frankfurt am Main, Arthothek

Das kleine Oudenaarde an der Schelde (Stadtkern nur 6.000 Einwohner) ist ein wohltuend luftiger Ort mit auffallend viel Freiraum zwischen Häusern, Grünflächen und dem Fluss. Ein Schlösschen gibt es noch, einen Beginenhof und neben einer früheren Textilfabrik eine niedliche Arbeitersiedlung mit dutzenden besterhaltenen Zweifensterhäusern aus den 1880er-Jahren. Das gotische „Stadhuis“ von 1526 ist eines der schönsten Belgiens, weil es gewissenhaft renoviert ist und unverbaut am Großen Markt liegt (von dem, zumindest weitgehend, seit vergangenem Jahr die Parkplätze eliminiert sind).

Oudenaarde

In der Oudenaarder Bierschmiede Roman, der ältesten Familienbrauerei Belgiens (derzeit in 14. Generation geführt), wissen sie um den Werbewert des Malers. Seit 2002 gibt es das Brouwer Cuvee in zwei Geschmacksrichtungen. Das stärkere lässt den Geschmack von Wildbret und Schokolade ahnen. Zum Ausstellungsjahr lockt seit Mai das dritte, extradunkel und extrastark mit 10 Prozent. Weiterlesen …