Janett Schindler

Brügge, Flandern, Janett Schindler, Kultur

Das Gruuthusemuseum – in drei Jahrhunderten durch Brügge

Blick auf das Gruuthusemuseum und die Kathedrale

von Janett Schindler

Brügge bietet viele spannende Orte, die es zu entdecken gilt. Mehr als 30 Kirchen (rund die Hälfte davon in der Altstadt), zahlreiche Museen, Kunstausstellungen und beeindruckende Plätze verführen so manchen Touristen zum Verweilen. Nicht erst „Brügge sehen und sterben“ hat zahlreiche Gäste in die Stadt in Flandern gelockt. Die Kombination zwischen schmucken alten Häusern und ansehnlichen Grachten ist einfach sehenswert.

Seit Mai 2019 hat Brügge ein weiteres Highlight.

Zentral gelegen könnt ihr eine Zeitreise in das Mittelalter von Brügge erleben. Das Gruuthusemuseum – das kann ich vorab schon verraten – lässt nicht nur Kunstfans und Zeitreisende wie mich begeistert zurück.

Blick aus dem Gruuthuse Museum, © Janett Schindler

Rund 5 Jahre war das Gruuthusemuseum geschlossen, rund 9 Millionen wurden für die Neugestaltung investiert und eine ganze Woche wurde im Mai die Wiedereröffnung des Stadtpalais der Familie Gruuthuse gefeiert.

Reisen wir zurück in die Zeit.

1425 war es, als Johann IV von Gruuthuse mit dem Bau eines Herrenhauses am Dijverkanal begann. Die Familie Gruuthuse verdiente ihr Geld mit Grut (Eine Art Kräutermischung). Das Grut war im Mittelalter Bestandteil des Bieres. Selbiges wurde von jedermann getrunken – demzufolge hatte die Familie viel Geld und somit auch viel Einfluss im Burgundischen Brügge.

Map of Bruges, 1546 – 1600, Anonymous master, Bild © Janett Schindler

Selbst nachdem Grut nicht mehr genutzt wurde durfte die Familie Steuern auf Bier erheben. So kommt es auch, dass über mehrere Jahrhunderte wertvolle Kunstwerke, Wandteppiche und Zeitdokumente durch die Familie gesammelt wurden. Als Museum fungiert das Stadtpalais seit 1888. Die letzte umfangreiche Restauration fand in den letzten Jahren statt – ich finde – es hat sich gelohnt!

Besucht mit mir das Gruuthusemuseum!

Auf dem Hof des Gruuthusemuseum stoßen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander. Der modern wirkende Ticketshop ist für alle Besucher der erste Anlaufpunkt.

Gruuthusemuseum, © Janett Schindler

Erst von dort geht es mit einem Audioguide durch eine liebevoll verzierte Eingangstür. Der “Lockerroom” war früher einmal der Raum für die Guillotine – heute jedoch passiert hier keinem Gast etwas.

Lockerroom im Gruthuusemuseum, © Janett Schindler

Von dort aus werden wir in drei Zeitepochen in das Leben der Familie Gruuthuse hineingezogen. Gut besucht ist das Museum – Mehrsprachig in Wort und Schrift ist es jedoch nicht nur für Einheimische spannend. Ich bin sehr begeistert von den prunkvoll verzierten offenen Kaminen und den wunderschön bemalten Decken.

Deckenkunst im Eingangsbereich des Museums, © Janett Schindler

Vor allem im Eingangsbereich kann ich meine Augen gar nicht mehr von der Deckenkunst nehmen!

Bild: © Janett Schindler

In der ersten Etage lerne ich Lodewijk van Gruuthuse kennen. Er – der Sohn vom Erbauer – brachte den Namen Gruuthuse zu weitreichendem Ruhm. Er selbst war viele Jahre Statthalter von Brügge und wurde vom englischen König zum Earl ernannt. Einige der über 600 Ausstellungstücke entstammen dieser Epoche – sie bilden den Kern der Ausstellung in der ersten Etage. Mit Touchscreens, Riechproben und echt wirkenden Dokumenten zum Anfassen ist die Ausstellung abwechslungsreich und vielfältig.

Blick ins Museum, © Janett Schindler

Der Leitfaden “Plus est in vous” (Es steckt mehr in dir!) zieht sich dabei durch die gesamte Ausstellung. Fast 45 Minuten verbringe ich im Erdgeschoss. Über eine Wendeltreppe mache ich einen Zeitsprung und befinde mich kurze Zeit später im 17ten Jahrhundert.

Blick ins Museum, © Janett Schindler

Dort entdecke ich nicht nur eine gedeckte Tafel mit schickem China – Geschirr und zahlreiche barocke Kunstwerke, sondern auch eine kleine Gebetskapelle (Ein Verbindungsstück zwischen der Onze-Lieve-Vrouwerk und dem Stadtpalais). Der Exklusiv-Zugang zur Kirche wirkt wie aus einer anderen Zeit – fasziniert bin ich von der Holzmalerei und den Schnitzereien in der fast golden wirkenden Kapelle.

© Janett Schindler

Im Laufe der Führung stelle ich schnell fest: Nicht die Familie Gruuthuse steht im Mittelpunkt – vielmehr erfahre ich hier sehr viel über die Geschichte der Ober und Mittelschicht der Brügger Bewohner im Laufe der Zeit.

Kein klassisches Museum

In der dritten Etage bin ich von den zahlreichen Eindrücken ein wenig fertig. Ich lasse mich auf eine Couch fallen die an einer Wand steht. Kurz darauf der Gedanke “Verdammt – ich bin hier in einem Museum!” Eine Museumsführerin beruhigt mich. Diese Couch aus dem Neoklassizismus darf benutzt werden. Hier darf man sich setzen und auch eines der zahlreichen Dokumente aus dem Hause Gruuthuse lesen.

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Flandern, Janett Schindler

Kunst in der Stadt – Streetart in Antwerpen

von Janett

Früher fand ich Graffitis total hässlich. Vor allem diese Schriftzüge, die wunderschön renovierten Häuser verschandeln und wie mit einem Untertitel zu sagen scheinen: „Schönheit ist vergänglich“.
Doch dann entdeckte ich die Welt der Straßenkunst:. Ich erkannte, dass Straßenkunst nicht immer nur als Verschandelung zu sehen sein muss. Ich realisierte, dass zahlreiche Kunstwerke eine Botschaft zu überbringen haben. Und das vor allem Städte mit vielen sozialen Herausforderungen oft eine Vielzahl von richtig guten Kunstwerken zu bieten haben.

© Janett Schindler

Gibt es Streetart in Antwerpen?

Um ganz ehrlich zu sein – bisher kam mir Antwerpen nicht wie eine Stadt vor, in der sich Straßenkunst wirklich gut entfalten kann. Doch da habe ich mich gewaltig getäuscht. Antwerpen? Das ist nicht nur Rubens und Snijders – das ist nicht nur barocke Kirchenkunst und Architektur des 19ten Jahrhunderts.

© Janett Schindler

Wir treffen Tim Marschang vor dem Rubens-Haus. Er ist das, was man in Sachen Streetart in Antwerpen einen Experten nennt. Wenn jemand über die Künstler, Kunstwerke und vor allem neue Straßenkunst Bescheid weiß, dann er. Seine „Straßenkunst-Touren“ durch Antwerpen bietet er über Facebook an – und zeigt seit neuestem auch vier „barocke“ Kunstwerke. Ich bin neugierig – denn auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon mehr als einem Tag in der Stadt in Flandern unterwegs war – wirklich viel „Streetart“ habe ich nicht entdecken können. Weiterlesen …

Flandern, Janett Schindler, Kultur, Mechelen

Eröffnung des Museum „Hof van Busleyden“ in Mechelen – eine Zeitreise

von Janett

Googelt man das Wort Burgund, dann landet man wohl zuallererst in der französischen Region mit den guten Weinen. Als ich bei meinem Besuch in Flandern die Stadt Mechelen besucht habe, war ich mehr als überrascht, dieses Jahr ein besonderes Thema anzutreffen. Denn im Juni eröffnet in der flandrischen Stadt das Museum „Hof van Busleyden“ und gibt einen Einblick in das burgundische Mechelen. Ab diesem Jahr gibt es mehr als das. Lasst uns doch eine gemeinsame Zeitreise unternehmen.

Wusstet ihr, das Flandern einst Hauptstadt der Niederlande war? Im Grunde genommen sogar die Hauptstadt der Beneluxländer – aber das ist eine Geschichte, die ich hier nicht erzählen will. Die Epoche der Burgunder in Mechelen begann wie alle spannenden Geschichten: Durch eine Heirat. Phillip der Kühne heiratete Margarethe von Flandern.
Phillip war Sohn des damaligen französischen Königs und ihm gehörte Burgund – um es kurz zu fassen – so begann die Epoche der burgundischen Niederlande.

Foto: Janett Schindler

Quer durch Mechelen

Und wer noch tiefer in die Geschichte einsteigen will, sollte eine der spannenden Stadtführungen durch Mechelen buchen. Auf dem Weg durch das Stadtzentrum habe ich so einiges erfahren über die kreative und äußerst spannende Epoche der Burgunder in Flandern. Über ihren Reichtum – über das, was sie der Stadt in dieser Zeit gegeben haben und welche Geschichten von damals ins jetzt getragen wurden. Zuviel will ich nicht vorwegnehmen – aber ich glaub, ich kenn mich jetzt mit Königshäusern und Kunst des 16ten Jahrhunderts aus. Ein wenig jedenfalls.

Foto: Janett Schindler

Bei einer Führung zum Thema Burgundisches Flandern darf natürlich ein ganz wichtiger Ort nicht fehlen: Der „Hof van Busleyden“. Die dortige Museumseröffnung versetzt gefühlt ganz Mechelen in helle Aufregung. Es scheint fast so, dass jeder was weiß, aber das große Ganze wird erst ab dem 17. Juni der Öffentlichkeit präsentiert. Und am Wochenende darauf folgt dann das große Eröffnungsfest (22.-24.06.).

Foto: Janett Schindler

Was ist denn der „Hof van Busleyden“?

Der „Hof“ ist einer der schönsten noch erhaltenen Paläste der Stadt und wurde in den letzten Jahren renoviert. Zu Zeiten der Burgunder und der Habsburger war hier das Zuhause von Hieronymus von Busleyden – einem sehr berühmten Historiker und Kunstsammler. Das Haus war ein Treffpunkt des Adels und der Menschen der Stadt. Perfekt also, um auch heute ein Ort der Zusammenkunft zu werden. In Zukunft soll eine feste Ausstellung einen Einblick in eine der wichtigsten Epochen der Stadt geben.

Historische Karte im Hof van Buslyeden. Foto: Janett Schindler

Und das, was ich schon sehen durfte, macht wirklich neugierig. Denn im Museum an sich erwartet euch nicht etwa nur eine Ansammlung von Kunstwerken längst vergangener Zeit. Das Museum bietet euch die Möglichkeit, eine Zeitreise der Sinne zu machen.

Foto: Janett Schindler

Neben einer spannenden Einleitung ins Thema Burgund findet ihr auf der Tour durchs Museum einige spannende Originalwerke – unter anderem das Mechelner Chorbuch von Margarethe von Österreich. Zahlreiche Leihgaben aus anderen Häusern sind zu bestaunen – aber auch Mechelen selbst trägt zur Ausstellung bei – ein Kunstwerk wird zum Beispiel das Rathaus verlassen und seinen Weg in die spannende Ausstellung finden.

Übrigens – für Familien gibt es noch eine ganz besondere Überraschung im Hof von Busleyden: Der „Erlebnis-Dachboden“. Spiel und Interaktion stehen hier im Vordergrund. Und am Ende dürft ihr ein kleines Souvenir mit nach Hause nehmen.

Unleash your inner Burgundian

So viel Zeitreise macht natürlich ziemlich hungrig. Ich bin froh, dass ich mein „Sense-Sations“ Heft dabeihabe. Damit kann ich dem Genuss frönen.

Foto: Janett Schindler

Das Bier, was es schon zu Zeiten der Burgunder in der Stadt gab, kann man noch heute bei einer Verkostung im Het Anker probieren und die Geschichte vom „Mondlöscher“ – die zwar nicht ganz aus der Zeit der Burgunder stammt – solltet ihr auch gehört haben und dabei ein dazu passendes Schokopralinchen probieren. Weiterlesen …

Flandern, Janett Schindler, Kultur, Mechelen

Der St. Ursulinen Stift – Eine traumhaft schöne Schule

von Janett

Der St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver (Belgien) ist eine Schule.

Ganz ehrlich? So sieht sie von außen auch aus. Das schlichte Haus wirkt von außen wie so viele andere Schulen auch. Schlicht – einfach – praktisch. Schon seit über 175 Jahren wird hier gelehrt. Bis in die 50er Jahre war das St. Ursula Institute eine katholische Schule, ausschließlich für Mädchen aus „besseren Familien“. Diese wohnten im Internat, die Eltern waren in der großen weiten Welt unterwegs.

St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver, © Janett Schindler

Ein Paradies für Fans des Jugendstils

Soweit so gut. All das klingt im ersten Moment nicht wirklich spannend. Und doch befindet sich im inneren des etwas 10 Hektar großen Schulkomplexes mehr als nur eine einfache Gesamtschule. Hier befindet sich das Paradies für Fans von Art Déco und Jugendstil.

Zwei Stunden Schule am Sonntag?

Wir sind neugierig. Ein paar Kilometer von Mechelen entfernt wartet der kleine Ort „Onze-Lieve-Vrouw-Waver“ auf uns. Der Schulparkplatz und auch der Eingang sind schnell zu finden. Als Geheimtipp gelten der Wintergarten und die Schule. Wir jedoch müssen uns erst einmal in einer kleinen Schlange anstellen. 10 Euro kostet der Eintritt inklusive Führung.

St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver, © Janett Schindler

Das Geld wird verwendet um das Haus in seiner Pracht zu erhalten. Die Führungen werden neben Englisch und Französisch auch in Niederländisch angeboten – und das Angebot der offenen Führungen wird sehr gut angenommen. Gut 100 Leute warten an diesem Sonntag auf die zweistündige Tour. Unsere „englische Gruppe“ ist etwas kleiner und wir haben Glück, denn eine ehemalige Schülerin der Mädchenschule begleitet unsere Gruppe. Weiterlesen …

Antwerpen, Flämische Meister, Janett Schindler

Das Frauenbild in Zeiten von Rubens – Kunstobjekt oder Künstler?

von Janett

Das Thema „Rubensfigur“ haben wir beleuchtet – Kommen wir aber zurück zur Rolle der Frau. Wie war das damals?

Im 17. Jahrhundert hatten Frauen so gar keine Rechte.

Wenn eine Frau verlassen wurde oder ihr Mann starb, konnte sie entweder mit viel Glück von der Familie aufgenommen werden oder sie wurde mittellos. Frauen die „anders“ waren, wurden schnell als Hexe verunglimpft.  Frauen waren weder „Geschäftsfähig“ noch Mündig. Noch immer standen Frauen im Schatten der Männer. Ob in Politik, Weltgeschehen und Kunst – alle Bereiche waren dominiert von starken männlichen Persönlichkeiten.

Eine der wenigen Künstlerinnen des 17ten Jahrhunderts war Michaelina Wautier (1614– 689). Weil es in dieser Zeit unüblich war, dass Frauen in einem solchen Metier tätig waren, wurden viele der Werke Wautiers bis vor einiger Zeit ihrem Bruder Charles Wautier zugeschrieben, der ebenfalls als Maler tätig war. Weiterlesen …

Antwerpen, Flämische Meister, Janett Schindler

Das Frauenbild des Peter Paul Rubens – Die Suche nach der Inspiration

von Janett

Ich kann mich noch genau an die Worte der Fotografin erinnern, die vor einiger Zeit ein Ganzkörperfoto von mir schoss. „Du hast eine Rubensfigur – zeig sie doch auch!“ waren ihre Worte. Damals wusste ich nicht, ob ich diese Worte als ein Kompliment oder eine Beleidigung werten sollte.

Mit ein wenig Abstand interpretiere ich es als etwas Positives. Und noch etwas ist mit mir im Lauf der Zeit passiert. Ich wurde neugierig. Und ich stelle mir immer wieder die Frage: Wie entstand das Frauenbild zu Zeiten des Barockmalers Peter Paul Rubens?

Und gibt es „Rubensfiguren“ nur aus männlicher künstlerischer Sichtweise?

Um das herauszufinden, bin ich auf die Suche gegangen. Eine nicht wirklich einfache Suche. Weiterlesen …