Kultur

Allgemein, Kultur, Küste

Belgian Coast Greeters – kann man das essen?

Also ich bin ja nicht der Typ für klassische Stadtführungen: laaaaange Vorträge, nervige Zwischenfragen und wenn es wirklich mal was zu sehen gibt, geht das Gedrängel und Geschubse los – „darf ich mal kurz“, „ich seh ja gar nichts!“. Ich mag es lieber etwas persönlicher. Wenn es euch auch so geht, dann habe ich einen heißen Tipp: Die belgischen Coast Greeters.

Coast Greeters, das klingt schon mal einladend: „Küsten-Begrüßer“. Aber was soll man sich  darunter vorstellen? Coast Greeters, das sind Menschen wie Erik, ein vitaler, gertenschlanker Ruheständler mit schneeweißem Haar, der in Oostende geboren und aufgewachsen ist. Erik zeigt euch nicht nur seine Lieblingsplätze in der Stadt und am Strand, sondern bringt euch, wenn ihr Glück habt, auch noch das Krabbenpulen bei. Da gibt es nämlich – man höre und staune – nicht nur eine spezielle Technik, sondern richtige Weltmeisterschaften (aber das ist eine andere Geschichte…). Oder Linda, die – wie schon ihr Großvater – „nach dem Rhythmus des Meeres lebt“ und euch mitnimmt, auf eine Reise durch die Zeit in dem künstlerischen Küstenort Koksijde-Oostduinkerke. Linda ist enorm beschlagen in Geschichte und Architektur. Sie teilt ihr Wissen lebhaft und lebendig.

Unterwegs mit einem Coast Greeter, © Coast Greeters Projekt

Entlang der belgischen Küste gibt es noch viele „Eriks und Lindas“, Einheimische also, oder neudeutsch „locals“, die ihren Heimatort lieben, und denen es ganz einfach Freude macht, das mit Besuchern zu teilen. Von Knokke-Heist bis De Panne sind die Coast Greeters im Einsatz. Jeden verbindet eine ganz eigene Geschichte mit „seinem“ Küstenort. Alle sind offene, freundliche Menschen, die selbst gerne auf Entdeckungstour gehen. „Ich lerne meistens auch etwas dabei. Die Besucher entdecken ganz andere Details als ich“, sagt Erik. Weiterlesen …

Allgemein, Brüssel, Kultur

Ein Museum für die Kultur 2.0

Das MIMA in Brüssel

Kunst muss Spaß machen dürfen, finde ich. Und Museen sollten sowohl mit der Zeit als auch neue Wege gehen. Das betrifft nicht nur die Vermittlung, sondern vor allem auch die Inhalte. Gerade jetzt, wo sich so vieles um die Alten Meister dreht (die ich im Übrigen wunderschön finde), treibt mich manchmal die Sehnsucht nach etwas Modernem um, nach den Jungen Meistern und ihrer ganz besonderen Sicht der Welt, nach etwas total Anderem. Kennt ihr das? Das ist, wie wenn man nach einem scharfen Essen ein Stück (belgische) Schokolade essen will. Und das Museum, das ich euch heute vorstellen will, ist für mich so ein spannender Kontrast, so etwas wie der Street Art Smoothie nach einem üppigen Barock-Gericht. Ich spreche vom MIMA, dem Millennium Iconoclast Museum of Art. Es gehört nicht zu den Museums-Blockbustern in Brüssel, sondern eher zur Kategorie Geheimtipp.

Restaurant im MIMA Brüssel, © MIMA

Das europaweit einzigartige Museum will alte Zöpfe abschneiden, einfach mal was ganz anderes machen. Genau in diesem Sinne haben Michel und Florence de Launoit, Alice van den Abeele und Raphaël Cruytl vor ein paar Jahren das ambitionierte Museumskonzept entwickelt. In den Gemäuern der einstigen Belle-Vue-Brauerei im Stadtteil Molenbeek haben sie nun Raum geschaffen für „eine Kultur, die Barrieren niederreißt und ein breites Publikum erreicht, ein Museum, das die heutige Welt widerspiegelt und den Weg für die Welt von morgen ebnet“. Und so steht das MIMA seit April 2016 für eine wirklich ungewöhnliche Präsentation zeitgenössischer Kunst und eine – wie die Macher es selbst nennen – Kulturgeschichte 2.0. Es zeigt eine spannende Mischung urbaner, grafischer, musikalischer, sportlicher, künstlerischer und Geek-Kulturen, die ganze Palette  von Graffiti  bis Tattoo-Kunst.

Nomads Akay and Olabo FIAT 500, © MIMA

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Allgemein, Antwerpen, Flämische Meister, Kultur

Revolutionärer Ozean – Rubens´ Rubens im Rubenshaus

Nein, man könne nicht sagen, Rubens sei ein großer Maler gewesen. Peter Paul Rubens war weit mehr: „Das ganze Gusto, sein präzises Wissen, der unbändige, kraftvolle Drive in ihm und in seiner Kunst, da schießt einem doch heute noch das Blut durch den Körper.“ Ben van Beneden, der Direktor des Rubenshauses in Antwerpen, ist hingerissen von dem Mann, dessen Erbe er im Rubenshuis hütet.

„Caravaggio oder Johannes Vermeer sind fantastisch“, sprudelt es aus van Beneden heraus, „absolut großartig, manchmal ganz große Meister der Stille. Aber doch, Entschuldigung, limitiert, wenn man diesen revolutionären Ozean Rubens sieht“. Rembrandt ja, „auch der genial, aber gegen Rubens…?“ Wobei sich der 61-Jährige gleich korrigiert: „Rubens ist eigentlich gar nicht vergleichbar.“

Rubens (1577–1640) war ein vielseitiger Künstler, er leitete in Antwerpen sein großes Atelier, bildete Lehrlinge des Pinselstrichs aus, galt als Kosmopolit mit gierigem Interesse an der Wissenschaft, er war Kunstsammler, als Diplomat in Europa unterwegs, vielsprachig sowieso und traf sich in Antwerpen mit Kollegen wie van Eyck oder Adriaen Brouwer. „Ein Tausendsassa“, heißt es im Rubenshaus. Sicher, sein Rubens habe, sagt Direktor van Beneden, wie viele Künstler im Barock, auch „Arbeiten nur als Job gemacht, als Auftrag; aber wenn er richtig drin war – wow!“

Ben van Beneden kommt auf ein Portrait zu sprechen, das Rubens von seiner Frau gemalt hat: „Ihr Blick, ihr Fleisch und sie ist ja fast nackt. Diese schiere Tiefe, die alles sprengt. Fantastisch, einfach fan-tas-tisch.“ Sorry, aber wer so schwärmt von einer gemalten Dame, was kann der noch zu seiner eigenen Frau sagen? Ben van Beneden lacht. Doch, er habe ihr schon sein schönstes Kompliment gemacht: „Dich hätte Rubens malen sollen.“

Rubenshuis, © Antwerp Tourism and Convention

Auf ins Rubenshuis, wo der große Meister arbeitete, wohnte und sein Studio leitete. Ein enger Oneway-Rundgang in einem engen Haus mit teils hohen, dunklen Holzdecken und knarzenden, sehr ausgelatschten Treppen: Neben einigen Rubenswerken hängen hier Bilder von Zeitgenossen: Brueghel, van Dyck, Jordaens. Der Engel von Jacopo Tintoretto ist bekannt als Bowies Tintoretto. Popstar David Bowie hatte das Bild vor mehr als 30 Jahren erworben, nach seinem Tod konnte es ein unbekannter Privatsammler bei Sotheby´s ersteigern und stellte es umgehend dem Rubenshaus als Dauerleihgabe zur Verfügung. Seit Juni 2017 ist das Bild der stolzeste Neuzugang, hängt allerdings etwas versteckt, morgens von Lichtstrahlen der Sonne durch ein Fenster schräg bespielt; scheinbar störend – aber vielleicht ist es auch der Heilige Geist oder ein lichterner Gruß von Bowie von ganz oben.

Rubens Selbstportrait im Rubenshuis

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Allgemein, Gent, Kultur

Gravensteen – Geschichte atmen in Gent

Habe ich schon gesagt, dass Gent zu meinen absoluten Favoriten in Flandern zählt? Das liegt nicht nur an dem von mir hochgeschätzten Design-Museum, der Street Art und dem Vleeshuis, in dem der Himmel schon mal voller Schinken hängt (aber dies ist ein andere Geschichte…. ), sondern auch an der Burg Gravensteen. Als ich das erste Mal in Gent war, war es Dezember und eiskalt. Durchgefroren nach einem ausgiebigen Stadtbummel durch die pittoreske Innenstadt hatte mich mein Weg ganz zufällig hier hingeführt. Zugegeben, in Gent kann man an beinah jeder Ecke Geschichte atmen. Aber die imposante Burganlage Gravensteen (Grafenstein), eine der größten Wasserburgen Europas, hat es mir besonders angetan.

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Flämische Meister, Kultur

Das Frauenbild in Zeiten von Rubens – Kunstobjekt oder Künstler?

Das Thema „Rubensfigur“ haben wir beleuchtet – Kommen wir aber zurück zur Rolle der Frau. Wie war das damals?

Im 17. Jahrhundert hatten Frauen so gar keine Rechte.

Wenn eine Frau verlassen wurde oder ihr Mann starb, konnte sie entweder mit viel Glück von der Familie aufgenommen werden oder sie wurde mittellos. Frauen die „anders“ waren, wurden schnell als Hexe verunglimpft.  Frauen waren weder „Geschäftsfähig“ noch Mündig. Noch immer standen Frauen im Schatten der Männer. Ob in Politik, Weltgeschehen und Kunst – alle Bereiche waren dominiert von starken männlichen Persönlichkeiten.

Eine der wenigen Künstlerinnen des 17ten Jahrhunderts war Michaelina Wautier (1614– 689). Weil es in dieser Zeit unüblich war, dass Frauen in einem solchen Metier tätig waren, wurden viele der Werke Wautiers bis vor einiger Zeit ihrem Bruder Charles Wautier zugeschrieben, der ebenfalls als Maler tätig war. Weiterlesen …

Flämische Meister, Kultur, Neu auf dem Flandern-Blog

Das Frauenbild des Peter Paul Rubens – Die Suche nach der Inspiration

Ich kann mich noch genau an die Worte der Fotografin erinnern, die vor einiger Zeit ein Ganzkörperfoto von mir schoss. „Du hast eine Rubensfigur – zeig sie doch auch!“ waren ihre Worte. Damals wusste ich nicht, ob ich diese Worte als ein Kompliment oder eine Beleidigung werten sollte.

Mit ein wenig Abstand interpretiere ich es als etwas Positives. Und noch etwas ist mit mir im Lauf der Zeit passiert. Ich wurde neugierig. Und ich stelle mir immer wieder die Frage: Wie entstand das Frauenbild zu Zeiten des Barockmalers Peter Paul Rubens?

Und gibt es „Rubensfiguren“ nur aus männlicher künstlerischer Sichtweise?

Um das herauszufinden, bin ich auf die Suche gegangen. Eine nicht wirklich einfache Suche. Weiterlesen …

Allgemein, Antwerpen, Flämische Meister, Kultur, Neu auf dem Flandern-Blog

Blutleer oder Blutrot? Ein Portrait von Luc Tuymans

Einer der Höhepunkte des Barockjahres 2018 in Antwerpen wird die Ausstellung „Sanguine | Blutrot“ im M HKA sein, bei der Barockmeister mit zeitgenössischen Spitzenkünstlern konfrontiert werden.  Der Kurator der Schau ist selbst Künstler: niemand anderes als der in Antwerpen lebende Luc Tuymans, einer der einflussreichsten Maler der Gegenwart. Ich möchte die Ausstellung zum Anlass nehmen, euch diesen zeitgenössischen flämischen Meister einmal genauer vorzustellen.

Tuymans at work (c) Studio Tuymans

Luc Tuymans bei der Arbeit, © Studio Tuymans

Der 1958 in einem Vorort von Antwerpen geborene Künstler hat viele Bewunderer, aber nicht jeder kann seiner Kunst etwas abgewinnen. „Ausgebleicht die Oberflächen, blutleer und schwindsüchtig, lauter Bilder im Trüben, nebelverhangen“ so urteilte etwa Hanno Lauterberg vor einigen Jahren in der ZEIT über Tuymans Bilder. „Der Belgier Luc Tuymans ist nicht nur Maler, sondern einmal mehr auch ein begnadeter Inszenator des Schreckens“ meinte dagegen Jenny Hoch 2008 im SPIEGEL. Damals richtete ihm das Münchner Haus der Kunst anlässlich seines 50. Geburtstages gerade eine große Werkschau aus. Für Hoch ist Tuymans „Der Maler des Unmalbaren“, der das Grauen auf die Leinwand bannt. Sein beklemmendes Werk (seine Themen reichen von Holocaust, über Brustkrebs, bis Kindesmissbrauch) habe ihn zum Star gemacht. Weiterlesen …

Allgemein, Flämische Meister, Kultur

Auch das größte Genie guckt mal ab – Rubens-Schau Städel

Im Juni beginnt das große Barockjahr in Antwerpen. Doch schon jetzt könnt ihr euch mit dem vielleicht prominentesten Vertreter der Flämischen Meister und „Barockstar“ Peter Paul Rubens beschäftigen. Ab dem 8. Februar wird in Frankfurt im Städel Museum die Ausstellung „Rubens. Kraft der Verwandlung“ präsentiert. „Diese Ausstellung“, so meinte die Frankfurter Rundschau kürzlich, „wird in Frankfurt mit Sicherheit zum Publikumsmagneten des Jahres werden“. Auch ich kann euch diese Ausstellung nur wärmstens ans Herz legen: Sie ist sicher eine ideale Einstimmung auf das Themenjahr. Schließlich widmet sie sich einem eher wenig beachteten aber vielleicht einem der spannendsten Aspekte in Rubens‘ künstlerischem Werk: der Auseinandersetzung des Malers mit Quellen und Vorbildern.

Datierung: o. J.Material/Technik: Skulptur / weißer MarmorHöhe: 147 cmInventar-Nr.: MA562

Römisch, Der von Cupido gezähmte Kentaur, Département des Antiquités grecques, étrusques et romaines, Museé du Louvre, Paris © bpk / RMN – Grand Palais

Rubens, Peter Paul; Kentaur, von links, Italien, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Z 05888, Köln

Peter Paul Rubens (1577-1640), Kentaur von Cupido gezähmt, Um 1601/02, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_c016031

Zeitlebens orientierte sich Rubens an der Bildhauerkunst der Antike und der Renaissance. In Rubens’ umfangreichem Werk findet ihr auch Einflüsse späterer Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, er machte dazu Anleihen bei den alten Meistern des ausgehenden 15. Jahrhunderts und bei seinen Zeitgenossen. Die Schau zeigt zugleich, dass es hierbei nicht um einfaches Abkupfern ging. „Aus diesen fremden Formeln entstehen eigene Ideen, die in rasch ausgeführte, erstaunlich modern anmutende Federzeichnungen einfließen und dann durch Ölskizzen ausgearbeitet werden“ so steht es auf der Website des Kunsthistorischen Museums Wien zur Ausstellung. „Damit eignet sich Rubens Schritt für Schritt die Kunst der Anderen in teils unerwarteter Weise an und machte sie zu seiner eigenen. Es entsteht ein riesiges Repertoire, aus dem er beständig Neues schöpft.“ Weiterlesen …

Allgemein, Antwerpen, Brüssel, Gent, Kulinarik, Kultur

Nah am Paradies – Gourmetköche und ihre Hingabe zu Sterne-Fritten

Wir sind ganz oben im Antwerpener MAS (Museum am Strom). Was für eine Aussicht über Hafenlandschaft und Altstadt! Und jetzt noch diese Aussicht: auf das Lunch hier oben im kühl-modernen Edelrestaurant »t ’Zilte«. Gebutterte Jakobsmuscheln mit Tupfern aus Kartoffelselleriesahne und winzige Steinpilz-Hostien werden gereicht, dazu elf verschiedene Sorten knusprigsten Brotes. Chefkoch Viki Geunes hat zwei Michelin-Sterne. Er kann über „ausgewogene Gesamtkompositionen“ philosophieren, über „Techniken in Balance“ – und, als ich ihn darauf anspreche, über Fritten.

Natürlich, sagt er, serviere er sie bisweilen auch und beginnt am Tisch ein kleines Referat. In einer „eigenen ausgewogenen Fettmischung“ aus pflanzlichem und tierischem Öl (Details natürlich Geheimsache) müssten die Kartoffelstangen gebrutzelt werden: „Ohne Rinderfett geht es nicht, man braucht den leicht animalischen Geschmack.“ Er verwende Bintje-Kartoffeln, selbstverständlich handgeschnitten, ohne normierende Maschine. Weiterlesen …

Allgemein, Brügge, Kultur

Hier spielt die Musik! – Festivals im Concertgebouw Brügge

„Konzertgebäude“ – welch schmuckloser Name für diesen Kulturtempel! Dabei steht das Concertgebouw in Brügge nicht nur für ein hochkarätiges Musikprogramm und eine herausragende Akustik, sondern ist an sich schon einen Besuch wert. Etwa wegen seiner modernen Architektur und seiner Kunstsammlung. Grund genug, euch dieses Kulturzentrum an dieser Stelle mal zu präsentieren.

Wer schon mal in Brügge war, hat es vielleicht schon entdeckt. Das mit Tausenden von roten Terrakotta-Fliesen bedeckte Konzerthaus am Rande der Altstadt ist nämlich eigentlich kaum zu übersehen. Im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt  2002 erbaut, bildet es einen gewollten Kontrast zu den historischen  Fassaden der UNESCO-Stadt. Und im Inneren des 120 Meter langen und 50 Meter breiten Gebäudes, da spielt die Musik: mal klassische Konzerte, Opern oder Tanz, mal Jazz, mal Elektro oder Pop. Also auch hier Kontraste! Weiterlesen …