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Flandern, Gent, Kulinarik

Gutes aus Gent: Wo der Himmel voller Schinken hängt

Für manche Menschen ist es das Größte, wenn der Himmel voller Geigen hängt. In meinen Augen (und in meiner Nase) ist es ein ebenso himmlisches Glück, wenn Schinken diesen Platz einnehmen. Das habe ich bei meinem letzten Besuch in Gent gemerkt, als ich das erste Mal im Vleeshuis war. Die alte Fleischhalle, ein eindrucksvolles Gebäude mitten im Zentrum der Stadt (Groentenmarkt 7), stammt aus dem 15. Jahrhundert und war früher ein überdachter Marktplatz.

Im Mittelalter war es verboten, in einem privaten Laden Fleisch zu verkaufen. Daher wurden die Prüfung der Fleischqualität und der Verkauf von Fleisch zentral organisiert. Vieles hat sich seitdem geändert, aber noch heute wird in Gent der Ganda-Schinken nach jahrhundertealter Tradition handwerklich hergestellt. Einige Exemplare – man könnte auch sagen Prachtstücke – ­ werden zum Trocknen und späteren Verkauf im Vleeshuis aufgehängt. An einem prächtigen offenen Holzgebälk, ein wahrhaft himmlischer Anblick. Ich habe gehört, dass selbst eingefleischte Vegetarier in der Veggie-Hochburg Gent davon beeindruckt waren. Schließlich sehen die Ganda-Schinken eh aus wie gemalt.

Großer Genuss auf engem Raum

Es sind aber nicht nur die Schinken, die Feinschmecker in die Alte Fleischhalle nach Gent locken. Ostflandern ist schließlich mit einer Vielzahl weiterer regionaler Produkte gesegnet, die von der EU unter Schutz gestellt sind. 175 solche traditionellen Spezialitäten findet ihr nun hier – alle unter einem Dach. Denn die große Fleischerhalle beherbergt heute das „Zentrum für ostflämische Regionalprodukte“ und bietet so flämische Genusskultur auf engstem Raum. Ihr könnt die regionalen Spezialitäten wie den malerischen Schinken nicht nur bestaunen, sondern auch kosten und kaufen. Ein beliebtes Mitbringsel aus Gent, das ihr hier ebenfalls bekommt, ist der Tierenteyn-Senf. Dieser wird seit 1818 im Familienbetrieb hergestellt und gehört mittlerweile zu Gent „wie die Currywurst zu Berlin“ ­– so erfuhr ich kürzlich in einem Reiseführer. Eine besondere Spezialität ist auch der ostflämische Bierkäse. An Bier kommt man in Belgien ja sowieso nicht vorbei, also warum nicht mal in dieser Form auf Brot genießen? Es ist daher auch kein großes Wunder, dass ihr hier eine Reihe ostflämischer Regionalbiere findet. Und dann wäre da noch der Korn O’de Flander, der mit einem Alkoholgehalt von mindestens 35 Prozent gebrannte Genever, den ihr in der Fleischhalle gleich von verschiedenen Herstellern bekommt.

Schneebälle und andere Leckereien

Wer es gern süß mag, der ist in der Alten Fleischhalle ebenfalls genau richtig: Hier gibt es die berühmten Genter Schneebälle, eine köstliche Süßigkeit mit einer Füllung aus Vanille, mit Zartbitterschokolade überzogen und in Puderzucker gewendet. Und natürlich Cuberdons! Das sind kleine, meist mit Himbeergelee gefüllte kegelförmige Süßwaren, die aussehen wie eine Nase und außerhalb von Belgien kaum erhältlich sind.  Wer sich nicht entscheiden kann, kann sich übrigens auch einen Geschenkkorb mit diversen Leckerbissen zusammenstellen.

Mein Tipp: Ihr könnt alles im dazugehörigen Restaurant gleich vor Ort kosten und dabei die Vielfalt der regionalen Köstlichkeiten probieren. Ich bin mit einem „Ostflämischen Frühstück“ sehr genussvoll und glücklich in den Tag gestartet. Denn schließlich hatte ich dabei auch ein Stück Himmel auf dem Teller.

Flandern, Gent, Kultur

Design oder nicht sein

Immer wenn ich in belgischen Restaurants, Hotels oder Geschäften bin, wenn ich in die Häuser und Gärten schaue, dann habe ich das Gefühl, dass die Menschen hier ein ganz besonderes Verhältnis zu Gestaltung haben: Design oder nicht sein, so scheint mir das Motto vieler Flamen. Und so wundert es auch nicht, dass es in Gent ein ganzes Museum voll mit den wirklich schönen Dingen des Alltags gibt, mit Stühlen, Lampen, Stoffen und Objekten – das Design Museum Gent. Das möchte ich euch heute vorstellen.

Zugegeben, an dieser Stelle hab ich schon häufiger gesagt, dass das ein oder andere Museum in Flandern zu meinen Favoriten zählt. Das Design Museum Gent ist aber – zumindest bis jetzt – mein absoluter Spitzenreiter. Nur ein paar Gehminuten weg vom Trubel am Korenmarkt, liegt es in einer ruhigen Straße, der Jan-Breydel-Straat. Es ist ein Mekka für Ästheten und – ich hatte jedenfalls bisher immer Glück – auch eine Oase der Ruhe, denn in dem großen Komplex verteilen sich die Besucher schnell.

Das Design Museum:

Das Gebäude an sich ist schon eine Attraktion: Den Kern bildet das ehemalige „Hotel de Coninck“, ein 1755 erbautes Herrenhaus. In den schönen im Rokoko und klassischen Stil ausgestatteten Innenräumen könnt ihr über die alten knarzenden Parkettböden wandeln und Wandgemälde, Ledertapeten, Kamine und Holztäfelungen bestaunen. Die alten Polstermöbel und der hölzerne Kronleuchter katapultieren euch zurück ins 17. und 18. Jahrhundert. Und gleich im ersten Raum gibt es ein Fest fürs Auge: In dem gediegenen Ambiente des Salons sticht ein Tisch aus lauter Büchern hervor, die Platte eine Collage aus leuchtend bunten Buchdeckeln unter einer Gasplatte, eine Kunstwerk von Richard Hutten.  Ein spannender Kontrast, der gleich zu Beginn des Rundgangs die immense Breite der Sammlung des Museum repräsentiert, die nicht nur in dem imposanten Altbau, sondern auch einem 1992 ergänzten luftigen Neubau gezeigt wird.

An dieser Stelle macht es Sinn, kurz in die Geschichte des Museum zurückzublicken: Das Museum wurde 1903 vom „Verband der industriellen und dekorativen Künste“, einer privaten Organisation von Industriellen und Künstlern, gegründet. Zunächst hatte es sich auf Möbelstücke aus dem 18. Jahrhundert in verschiedenen französischen Stilen, darunter Rokoko, Neoklassizismus und Empire-Stil sowie zeitgenössische Objekte aus der Zeit um die Weltausstellung in Gent (1913) und aus den frühen 1920er Jahren in Paris konzentriert. Später kamen wundervolle Stücke aus der Zeit der Art Nouveau und Art Deco sowie italienische Postmoderne mit Studio Alchimia und Memphis dazu. Nach und nach hielt aber auch zeitgenössisches Industriedesign und künstlerisches Design Einzug. Was dazu führte, dass das nun auch räumlich erweiterte Museum 1995 in „Museum für Dekorative Kunst und Design“ und 2001 schließlich in Design Museum Gent umbenannt wurde.

Heute ist die Sammlung auf über 22.500 Objekte angewachsen. Sie umfasst angewandte Kunst und Design von 1450 bis heute und sie ist sowohl regional, national als auch international sehr vielseitig. Nirgendwo sonst in Belgien findet ihr solch ein zusammenhängendes Bild vom führenden Design seit dem Jugendstil.  Im Fokus steht dabei vor allem die Gestaltung von Innenräumen, von der Privatwohnung bis zum Büro – also von Möbeln über Keramik und Glas bis zu Textilien. Außerdem zeigt das Museum einige Klassiker des nationalen und internationalen Designs, die den jeweiligen Zeitgeist wundervoll widergeben.

Design Museum, © Joost Joossen

Ich empfehle Euch auf jeden Fall: bringt Euch viel Zeit mit. Es gibt so viel zu entdecken, und vor allem wiederzuentdecken, denn das ein oder andere schön gestaltete Stück habt ihr vielleicht selbst schon mal in den Händen  gehalten oder vielleicht schon selbst „besessen“, wie den Kultstuhl 03 von Maarten Van Severen oder den Elefanten-Hocker von Charles und Ray Eames.

Derzeit ist übrigens eine erneute Erweiterung geplant: In einem neuen Museumsflügel soll Platz für Sonderausstellungen, Workshops und Museumsgastronomie geschaffen werden. Spätestens dann werde ich wieder in mein Lieblingsmuseum fahren.

© Bas Bogaerts, Vist Gent

Flandern, Gent, Kultur

Gravensteen – Geschichte atmen in Gent

Habe ich schon gesagt, dass Gent zu meinen absoluten Favoriten in Flandern zählt? Das liegt nicht nur an dem von mir hochgeschätzten Design-Museum, der Street Art und dem Vleeshuis, in dem der Himmel schon mal voller Schinken hängt (aber dies ist ein andere Geschichte…. ), sondern auch an der Burg Gravensteen. Als ich das erste Mal in Gent war, war es Dezember und eiskalt. Durchgefroren nach einem ausgiebigen Stadtbummel durch die pittoreske Innenstadt hatte mich mein Weg ganz zufällig hier hingeführt. Zugegeben, in Gent kann man an beinah jeder Ecke Geschichte atmen. Aber die imposante Burganlage Gravensteen (Grafenstein), eine der größten Wasserburgen Europas, hat es mir besonders angetan.

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Antwerpen, Brüssel, Flandern, Gent, Kulinarik, Kultur

Nah am Paradies – Gourmetköche und ihre Hingabe zu Sterne-Fritten

Wir sind ganz oben im Antwerpener MAS (Museum am Strom). Was für eine Aussicht über Hafenlandschaft und Altstadt! Und jetzt noch diese Aussicht: auf das Lunch hier oben im kühl-modernen Edelrestaurant »t ’Zilte«. Gebutterte Jakobsmuscheln mit Tupfern aus Kartoffelselleriesahne und winzige Steinpilz-Hostien werden gereicht, dazu elf verschiedene Sorten knusprigsten Brotes. Chefkoch Viki Geunes hat zwei Michelin-Sterne. Er kann über „ausgewogene Gesamtkompositionen“ philosophieren, über „Techniken in Balance“ – und, als ich ihn darauf anspreche, über Fritten.

Natürlich, sagt er, serviere er sie bisweilen auch und beginnt am Tisch ein kleines Referat. In einer „eigenen ausgewogenen Fettmischung“ aus pflanzlichem und tierischem Öl (Details natürlich Geheimsache) müssten die Kartoffelstangen gebrutzelt werden: „Ohne Rinderfett geht es nicht, man braucht den leicht animalischen Geschmack.“ Er verwende Bintje-Kartoffeln, selbstverständlich handgeschnitten, ohne normierende Maschine. Weiterlesen …

Gent, Kultur

Gent: Der Street Art Hot Spot in Europa

Denkt ihr bei Gent zuerst an romantische Gassen, Alte Meister und den Genter Altar? Dann wollen wir euch in dieser Flandern-Geschichte eine ganz andere Facette dieser kreativen und kunstvollen Stadt vorstellen: Denn auch in Sachen Street Art ist Gent ganz groß. Berühmte Street-Art-Künstler wie ROA und Bue the Warrior leben hier und haben ihre markanten Spuren im Stadtbild hinterlassen.

Mit der Werregarenstraat hat Gent sogar eine richtige Graffitigasse. Die solltet ihr euch bei eurem nächsten Gent-Trip unbedingt mal anschauen. Nicht nur, weil die großformatigen farbenfrohen Outdoor-Kunstwerke beliebte Fotokulissen sind, sondern auch, weil ihr live dabei sein könnt, wenn neue Kunstwerke entstehen: Wenn ihr Glück habt, könnt ihr Künstlern wie HardNesh über die Schulter schauen, wenn sie selbst mit ihren Sprühdosen neue Street Art an die Wände bringen oder wenn sie bei Workshops jungen Talenten Anleitung und „Spiel“-Raum zum Sprühen geben. Wiederkommen lohnt sich, schließlich verändert die Graffitigasse ständig ihr Aussehen.

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Gent, Kulinarik, Städte/Regionen

Das Veggie-Paradies Gent

Wusstet ihr, dass der Veggie-Thursday aus Flandern stammt?

Gent war die weltweit erste Stadt, die sich im Jahr 2009 mit der Einführung eines fleischfreien Tages offiziell für die Reduktion des Fleischkonsums stark gemacht hat. Viele Restaurants in Gent haben diesen Impuls aufgenommen. Gent ist heute der Bio-Himmel (nicht nur für Vegetarier) und hat sich zur europäischen Veggie-Hauptstadt entwickelt. An beinahe jeder Ecke könnt ihr hier erleben, wie trendy fleischfreier Genuss sein kann: Neben Dutzenden fleischfreien Restaurants findet ihr eine Reihe von Bio-Läden und einen richtigen Bio-Supermarkt. Mit einem eigenen Veggieplan findet man leicht dort hin. Wer doch nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, sollte den köstlichen Ganda-Schinken aus Gent probieren…. Weiterlesen …