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Brüssel

Brüssel, Flämische Meister, Flandern

Begegnungen mit Pieter Bruegel

Neulich bin ich schmunzelnd aus einer Kirche gekommen. Warum? Weil ich dort eigentlich auf der Suche nach dem Grab von Pieter Bruegel war, stattdessen aber auf eine Reihe ungewöhnlicher Figuren stieß.

Bilder: Kapellerkerk, © Bowling Visit Flanders

Da ragten plötzlich kleine Beinchen aus einem Taufbecken, als wäre gerade ein kleines Männchen zum Schwimmen reingesprungen. Links neben dem Altar entdeckte ich ein behelmtes Wesen, das an einer Säule emporklettert als wolle es sich mit dem steinernen Totenkopf über ihm anlegen. Als ich den Engel sah, der über dem Altarraum in der Luft schwebt, da kam mir die Eingebung. Der Engel hatte nämlich verblüffende Ähnlichkeit mit einer Figur aus meinem Lieblingsbild von Pieter Bruegel „Der Sturz der rebellierenden Engel“.

Ich hatte bei meinem Besuch in Brüssel den Spuren Bruegels folgen wollen und war dabei zwangsläufig in der Kapellekerk gelandet. Der große flämische Meister, der damals um die Ecke dieser Kirche im Marollenviertel wohnte, hat hier geheiratet und wurde auch hier begraben. Aber zurück zu den Figuren. Ich fand nicht nur weitere skurrile Figuren dieser Art in der ganzen Kirche (manchmal muss man schon ganz genau hingucken), sondern am Eingang der Kirche auch die Erklärung dazu: Ein passendes Heft für diese Schnitzeljagd, in dem alle Figuren aufgeführt werden, die es zu finden gilt. Sie stammen allesamt aus Bruegel-Bildern und sind somit Appetithäppchen auf das Bruegel-Jahr, das 2019 anlässlich des 450. Todestags des Malers gefeiert wird.

Den Hunger stillen kann man übrigens nicht erst Ende Februar 2019, wenn die ersten der großen Sonderausstellungen in und um Brüssel eröffnen. Schon jetzt gibt es viele permanente Angebote rund um Bruegel in der Stadt.

Ständig da ist zum Beispiel die Bronzeskulptur direkt vor der Kirche, die den Künstler in Malerpose zeigt und die immer gut für ein Selfie ist. Nur wenige Meter weiter, in der Rue Haute 132, findet ihr das eher unscheinbare Wohnhaus von Pieter Bruegel. Einige Fußminuten von der Kirche entfernt, oben auf dem Mont des Arts, wo einst die mächtigen Mäzene des Künstlers residierten, findet ihr heute zahlreiche Werke von Bruegel im Original.

Die Königlichen Museen der Schönen Künste von Brüssel (KMSKB) etwa besitzen die weltweit zweitgrößte Bruegel-Gemäldesammlung. Hier habe ich mich nach dem ungewöhnlichen Kirchenbesuch noch mal richtig in die Kunst vertieft. Und ich habe tatsächlich einige Figuren aus der Kirche wiedererkannt. Denn schließlich hängt hier im Bruegel-Saal das Originalbild mit den rebellierenden Engeln. Wie viele andere Bruegel-Bilder ist es ein wahres Wimmelbild, das unzählige Geschichten erzählt. Manch winziges (und oft witziges) Detail bliebe einem vielleicht ewig verborgen, wären da nicht die „Unseen Masterpieces“. Das ist eine virtuelle Ausstellung in den KMSKB mit neun Touchscreens, die die Meisterstücke zeigt, wie ihr sie noch nie gesehen habt. Zusammen mit Google wurden 12 Meisterwerke renommierter Museen in einer unfassbar hohen Auflösung – megapixel-genau – aufgenommen und nun so präsentiert, dass man sich so weit in die Bilder hineinzoomen kann, wie man will. In einer „Bruegel Box“ könnt ihr sogar selbst in die Bruegelschen Bilderwelten eintauchen. Denn hier werden die Bilder flächendeckend an die Wände eines eigenen Musemsraums projiziert und erläutert.

Brüssel-Bruegel-Box

Noch ganz beglückt von diesem intensiven Kunstgenuss und von der Tatsache, dass ich so viele meiner neuen Bekannten aus der Kapellekerk wieder getroffen hatte, verließ ich auch das Museum schmunzelnd. Ich hätte nie gedacht, dass alte Meister so viel Spaß machen können!

Brüssel, Flandern, Kultur

Ein Museum für die Kultur 2.0

Das MIMA in Brüssel

Kunst muss Spaß machen dürfen, finde ich. Und Museen sollten sowohl mit der Zeit als auch neue Wege gehen. Das betrifft nicht nur die Vermittlung, sondern vor allem auch die Inhalte. Gerade jetzt, wo sich so vieles um die Alten Meister dreht (die ich im Übrigen wunderschön finde), treibt mich manchmal die Sehnsucht nach etwas Modernem um, nach den Jungen Meistern und ihrer ganz besonderen Sicht der Welt, nach etwas total Anderem. Kennt ihr das? Das ist, wie wenn man nach einem scharfen Essen ein Stück (belgische) Schokolade essen will. Und das Museum, das ich euch heute vorstellen will, ist für mich so ein spannender Kontrast, so etwas wie der Street Art Smoothie nach einem üppigen Barock-Gericht. Ich spreche vom MIMA, dem Millennium Iconoclast Museum of Art. Es gehört nicht zu den Museums-Blockbustern in Brüssel, sondern eher zur Kategorie Geheimtipp.

Restaurant im MIMA Brüssel, © MIMA

Das europaweit einzigartige Museum will alte Zöpfe abschneiden, einfach mal was ganz anderes machen. Genau in diesem Sinne haben Michel und Florence de Launoit, Alice van den Abeele und Raphaël Cruytl vor ein paar Jahren das ambitionierte Museumskonzept entwickelt. In den Gemäuern der einstigen Belle-Vue-Brauerei im Stadtteil Molenbeek haben sie nun Raum geschaffen für „eine Kultur, die Barrieren niederreißt und ein breites Publikum erreicht, ein Museum, das die heutige Welt widerspiegelt und den Weg für die Welt von morgen ebnet“. Und so steht das MIMA seit April 2016 für eine wirklich ungewöhnliche Präsentation zeitgenössischer Kunst und eine – wie die Macher es selbst nennen – Kulturgeschichte 2.0. Es zeigt eine spannende Mischung urbaner, grafischer, musikalischer, sportlicher, künstlerischer und Geek-Kulturen, die ganze Palette  von Graffiti  bis Tattoo-Kunst.

Nomads Akay and Olabo FIAT 500, © MIMA

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Antwerpen, Brüssel, Flandern, Gent, Kulinarik, Kultur

Nah am Paradies – Gourmetköche und ihre Hingabe zu Sterne-Fritten

Wir sind ganz oben im Antwerpener MAS (Museum am Strom). Was für eine Aussicht über Hafenlandschaft und Altstadt! Und jetzt noch diese Aussicht: auf das Lunch hier oben im kühl-modernen Edelrestaurant »t ’Zilte«. Gebutterte Jakobsmuscheln mit Tupfern aus Kartoffelselleriesahne und winzige Steinpilz-Hostien werden gereicht, dazu elf verschiedene Sorten knusprigsten Brotes. Chefkoch Viki Geunes hat zwei Michelin-Sterne. Er kann über „ausgewogene Gesamtkompositionen“ philosophieren, über „Techniken in Balance“ – und, als ich ihn darauf anspreche, über Fritten.

Natürlich, sagt er, serviere er sie bisweilen auch und beginnt am Tisch ein kleines Referat. In einer „eigenen ausgewogenen Fettmischung“ aus pflanzlichem und tierischem Öl (Details natürlich Geheimsache) müssten die Kartoffelstangen gebrutzelt werden: „Ohne Rinderfett geht es nicht, man braucht den leicht animalischen Geschmack.“ Er verwende Bintje-Kartoffeln, selbstverständlich handgeschnitten, ohne normierende Maschine. Weiterlesen …

Brüssel

Jazzlokal in Art déco

Zu Gast in Brüssels legendärem L’Archiduc

Ihr habt im Winter keinen Bock auf Blockflötenklänge und „Last Christmas“? Dann habe ich hier einen ganz besonderen Tipp für Euch: In Brüssel könnt ihr musikalisch in ganz andere Welten eintauchen. Viele verbinden mit der belgischen Hauptstadt ja eher die EU, das Atomium oder die legendären Waffeln. Aber Brüssel ist auch ein Hotspot für Jazz-Fans (und solche, die es werden wollen). Hier gibt es mehr als ein  legendäres Jazzlokal. Außerdem finden das ganze Jahr über zahlreiche Jazz-Events statt.

Ich möchte euch entführen an einen ganz besonderen Ort, nur einen Katzensprung von der Börse und dem Grand Place entfernt: Hier in der Rue Antoine Dansaert eröffnete vor genau 80 Jahre das „L’Archiduc“ ( Der Erzherzog), eine kleine elegante Art déco-Bar. Noch heute kann man in dem Jazzlokal, das zu den besten der Welt zählt, auf den Originalbänken entlang der Wände sitzen, in die ganz besondere Atmosphäre der 30er Jahre eintauchen – und dazu Jazz in all seinen Facetten hören.

L'Archiduc, © Lieve Boussauw

L’Archiduc, © Lieve Boussauw

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Brüssel, Kultur

Brüssel und der Mann mit der Pfeife

„Das ist keine Pfeife“ (Ceci n’est pas une pipe) – mit dem Titel seines berühmten Bildes hat René Magritte vielleicht auch Euch schon zum Nachdenken oder zum Schmunzeln gebracht. Auf jeden Fall ist der Meister der verrätselten Bilder eine Schlüsselfigur der Kunst des 20. Jahrhunderts. Der große Surrealist starb vor genau 50 Jahren in Brüssel. Für uns ein Grund, mal einen Blick in die Stadt zu werfen, in der René Magritte lange Jahre lebte und wo man noch heute sein Erbe an zahlreichen Stellen erleben kann. Weiterlesen …

Brüssel, Kultur

Kleine Comic Helden ganz groß

Bei dieser Flandern Geschichte wird‘s mal so richtig bunt! Sie handelt von kleinen, weit bekannten Helden, die in Flandern das Licht der Welt erblickt haben: Luky Luke, Tim und Struppi und zahlreichen weiteren berühmten Comic-Stars. Einmal im Jahr haben sie in Brüssel ihren ganz großen Auftritt: Dreidimensional und überlebensgroß schweben sie als farbenfrohe Figuren bei der Balloon’s Day Parade durch die Innenstadt – ein Spektakel, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet: Am 4. September machen die meterhohen Figuren die Straßen der belgischen Hauptstadt wieder zum bunten Comic-Boulevard. Bereits das Aufblasen der gigantischen Figuren ist ein Schauspiel: Schon morgens um zehn Uhr werden am Paleizenplein die Comic-Helden mit Helium gefüllt. Dann nehmen Bob der Baumeister, Fritz the Cat, oder Gaston nach und nach ihre markante Form an. Um 14 Uhr setzt sich die bunte Parade dann in Bewegung.

Die Parade ist Höhepunkt und krönender Abschluss des Comic-Festivals, das vom 2. bis 4 September wieder Fans aus aller Welt nach Brüssel lockt. Für alle, denen die Parade zu „abgehoben“ ist, haben wir noch einen weiteren Tipp: die „Tintin Magazine Rally“. Diese führt ebenfalls am 4. September durch die Straßen von Brüssel bis zum Musée Hergé in Louvain-la-Neuve und retour. Erwartet werden rund 80 Vintage-Autos und Motorräder, die ihr aus den Tim & Struppi-Heften kennt: Ob der Ford T aus „Tim im Kongo“ oder der Lincoln Zephyr von Kapitän Haddock aus „Die 7 Kristallkugeln“. Sie und ihre stilecht gekleideten Fahrer versprühen dabei das Flair aus vier Jahrzehnten Tim und Struppi-Heften.

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