Flandern, Kulinarik, Limburg

Ein fruchtbares Fleckchen Flandern: Die Heimat des Stroop

Man soll ja keine Äpfel mit Birnen vergleichen, aber man kann sie getrost in einen Topf werfen! Das machen etwa die Obstbauern im Haspengau, einer Region im Süden der Provinz Limburg, schon seit mehr als 150 Jahren. Das Ergebnis: der legendäre „Stroop“ ein Fruchtsirup. Auch ich kannte bisher weder die Region noch die süße Limburger Spezialität – bis ich mich auf eine leckere naturnahe Erkundungstour begeben habe.

Der Haspengau ist – nach Südtirol – die größte Obstregion Europas. Die Region, die auch „Obstgarten Flanderns“ genannt wird, erstreckt sich zwischen Hasselt, Sint-Truiden, Tongeren und dem Voerenland. Im Süden und Osten bildet die Maas eine natürliche Grenze. Die Region ist dünn besiedelt, die Landschaft einfach malerisch: sanfte Hügel mit Obstgärten und dazwischen die geschwungenen Mauern wie von Burgen – meinst stammen sie von befestigten Bauernhöfen. Und überall Obstbäume und -sträucher. Sogar Wein wächst hier. Schließlich bietet der fruchtbare Boden beste Bedingungen. Das ganze Jahr über kann man – dem Erntekalender entsprechend – die Region immer noch etwas anders erleben.

Ein absolutes Highlight ist die Obstblüte im April, wenn sich die Landschaft in ein riesiges buntes Blütenmeer verwandelt. Mir gingen beim Anblick Augen und Herz auf. Es gibt auch eine eigene Fahrradroute durch die „Terra Fecunda“, das bedeutet soviel wie „fruchtbares Land“. Im Gemeindehaus von Alken, im Norden von Limburg, könnt ihr Euch dazu einen „Verhalenfluisteraar“ ausleihen. Dieser Geschichtenflüsterer ist ein Gerät, das ihr an Euer (Leih-)Fahrrad klemmen könnt und das euch beim Radeln mit Hintergrundinfos, Musik, einem Hörspiel und mit Tipps versorgt. Auf dem kleinen Monitor zeigt es auch kleine Filmausschnitte von besonderen Punkten der Route.

Eine ganz besonders originelle Art, im Sommer die Natur im Flämischen Obstgarten hautnah zu genießen, bietet das Hotel Ri Coëme in Sint-Truiden, der Hauptstadt des Haspengaus, in diesem Jahr zum ersten Mal an: „Glamping“. Die fünf luxuriösen Zweipersonenzelte sind ausgestattet mit bequemem Boxspringbett, frischen Laken und gemütlicher Beleuchtung. Im nächsten Sommer könnt ihr den Logenplatz an der Obstwiese wieder genießen – für dieses Jahr ist alles ausgebucht.

Im Juni und Juli könnt ihr den Obstbauern zuschauen, wenn sie die Kirschen, Himbeeren und Erdbeeren ernten. Von August bis Oktober folgen Äpfel, Birnen und Trauben.

Wer gern Süßes mag, der kann sich ein Stück Genuss einfach mit nach Hause nehmen: Neben diversen Fruchtkonfitüren gibt es hier die schon erwähnte süße Spezialität, den köstlichen Apfel- und Birnensirup „Stroop“. Damit könnt ihr Euch etwa beim Frühstück oder auf Pfannkuchen ein Stück Flandern auf der Zunge zergehen lassen. Im Herbst nach der Apfel- und Birnenernte bekommt ihr den Stroop ganz frisch: Dann haben die berühmten Sirupkocher Hochkonjunktur und lassen in den alten Kupferkesseln den karamellbraunen Sirup einköcheln. Auch wenn der meiste Sirup heute maschinell hergestellt wird, hier findet ihr sie noch: die echten Genusshandwerker. In der traditionellen Sirup-Brennerei der Familie Bleus in Vrolingen etwa wird seit Generationen – um genau zu sein, seit 1843 – der Stroop hergestellt, natürlich ohne Zucker, Konservierungs- oder Farbstoffe.

Und wenn ihr noch mehr erfahren wollt, dann empfehle ich euch einen Besuch im Örtchen Borgloon. Hier gibt es nicht nur eine alte Dampfsirupfabrik, sondern auch ein Obstbaumuseum – süß nicht wahr??

 

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