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Kultur

Flandern, Kultur, Küste

Ostende – wo ein Kristallschiff die Streetart bringt

Direkt am Bahnhof geht’s los – wer in Ostende mit dem Zug ankommt, braucht nur einmal seitlich aus dem Bahnhof hinaustreten und kann ein großes Stück Streetart bewundern. Auf einer Hauswand findet sich eine riesige Arbeit, die der Künstler Eversiempre in leuchtenden Farben geschaffen hat. Diese zeigt einen Einwohner von Ostende, einen dunkelhäutigen Mann, der aus Afrika stammt. Mit seiner Arbeit will Eversiempre an die Zeit erinnern, in der Belgien als Kolonialmacht im Kongo herrschte und die Einheimischen dort Unterdrückung und Ausbeutung erlitten haben. Doch das Bild vermittelt auch eine hoffnungsvolle Stimmung und erzählt von einem bunten, vielfältigen Ostende in heutiger Zeit.

Das eindrucksvolle Mural ist im Rahmen des Streetart-Festivals „Crystal Ship“ entstanden, das der Initiator Bjørn Van Poucke nach einem Song der Rockband The Doors benannt hat. Im April dieses Jahres fand das Festival bereits zum dritten Mal in Folge in Ostende statt. Bis zu 20 Werke, vielfach so großformatige Wandbilder wie die von Eversiempre, sind dabei Jahr für Jahr entstanden. Internationale Künstler, darunter viele in der Szene sehr bekannte Namen, sind dazu in die flämische Küstenstadt gekommen, wie beispielweise Roa, Pixel Pancho, Guido van Helten oder Bué The Warrior. So ist dort eine reichhaltige Streetart-Galerie im Zeichen des Kristallschiffs entstanden, die zur Entdeckungsreise einlädt. Eine Tour ist im Zentrum, also um den Bahnhof, am Hafen sowie in und im Umfeld der Fußgängerzone gut zu Fuß machbar. Für die Werke, die etwas weiter abseits liegen,  empfiehlt es sich, ein Fahrrad zu nehmen.

Die Müllmänner von Jaune sind an diversen Straßenecken zu entdecken und für manche Überraschung gut. Foto: Meike Nordmeyer

Ich bin zu Fuß auf der Route unterwegs und starte an der Touristen Information an der Monacoplein, nahe der Strandpromenade. Im Touristenbüro ist ein Stadtplan zu „Crystal Ship“ erhältlich, in dem die Werke eingezeichnet und kurz erläutert sind. Viel Spaß machen mir auf meiner Tour nicht nur die großformatigen Werke, sondern auch die vielen kleinen Entdeckungen, die an Stromkästen, Häuserecken oder Mauervorsprüngen zu machen sind. Dafür gilt es genau hinzusehen und da ist es natürlich gut, zu Fuß unterwegs zu sein. Immer wieder begegnen mir kleine Figuren, Straßenreiniger in gelber und orangefarbener Arbeitskleidung. Diese kehren jedoch nicht die Straße und sorgen für Ordnung, sondern veranstalten völlig andere Dinge. Einer hangelt an einer Brüstung, ein anderer springt von einem Balkon in einen Berg von Müllsäcken, wieder einer dreht eine Zigarette oder einige kämpfen wie in einem Actionfilm mit einer übergroßen Farbsprühdose. Besonders schön ist die Gruppe, die sich zu einer Kundgebung zusammengetan hat unter dem Motto „We have nothing to say but we will say it loud!“, wie auf dem Foto oben zu sehen ist. Der Streetart-Künstler Jaune, der einst selbst als Müllmann gejobbt hat, platzierte die kleinen, humorvollen Figuren und Szenerien in der Stadt. Dazu sind viele weitere gewitzte Arbeiten in den Straßen zu entdecken, wie zum Beispiel der bemalte Blumenkübel von Oak Oak.

Der zornige Blumenkübel stammt von dem Künstler Oak Oak. Foto: Meike Nordmeyer

Ein Highlight ist es für mich immer, wenn ich ein Werk von dem aus Gent stammenden, mit seinen Werken international vertretenen Streetart-Künstler Roa entdecke. Und auch damit kann Ostende aufwarten. Nahe an der Fußgängerzone, an einer als Parkplatz genutzten Baulücke findet sich ein großformatiges Werk von Roa auf einer alten Hauswand. In seinem unverkennbaren Stil hat der Künstler hier in Schwarz- und Grautönen die Körper von Tieren detailgetreu gezeichnet. Hase, Eichhörnchen, Igel, Maulwurf und Maus – die in der Stadt und in Parks hausenden Nagetiere liegen aufeinandergestapelt. Fast könnte man bei dieser Tierpyramide an die Bremer Stadtmusikanten denken. Doch diese Tiere sind alles andere als unternehmungslustig. Sie haben die Augen geschlossen, sie schlafen ermattet oder sind vielleicht längst tot. Etwas Beklemmendes haben die Tierbilder von Roa immer an sich.

Unverkennbar ist dies ein großes Wandbild des aus Gent stammenden Künstlers Roa, das sich an einer Baulücke nahe der Fußgängerzone von Ostende findet. Foto: Meike Nordmeyer

Nicht weit entfernt von Roas Werk findet sich mitten in der Fußgängerzone eine feine Arbeit von Pixel Pancho. Sie zeigt ein braves Paar, einfache Leute aus vergangenen Zeiten, idyllisch von einem Blumenkranz eingerahmt. Doch auf deren Wangen besteht ein Durchblick ins Innere, in dem sich offenbar hölzerne Zahnräder befinden. Es ist typisch für den Künstler, dass er sogenannte Steampunks kreiert. Das sind menschenähnliche Maschinenwesen. In diesen Fall ist bei dem altertümlichen Paar mit den Zahnrädern offenbar eine sehr alte Technik im Einsatz.

Auch Pixel Pancho ist mit einer großformatigen Arbeit in Ostende vertreten. Foto: Meike Nordmeyer

In der Nähe des Hafens, beim Fischmarkt, fällt ein großflächiges Mural von Gaia ins Auge, das in diesem Frühjahr dort entstanden ist. Es zeigt eine übergroße Rettungsweste, aus der Blumen hervorragen – ein Bezug auf die von der Seefahrt geprägte Küstenstadt, in der die Menschen die Gefahr des Meeres und seiner Stürme nur zu gut kennen. Und sicherlich auch ein Verweis auf die vielen Menschen anderswo, die in diesen schwierigen Zeiten zu Flüchtlingen werden und in ihrer Verzweiflung den gefährlichen Weg in Schlauchbooten über das Meer antreten.

Ein wirkungsvolles Mural von Gaia ist nahe am Fischmarkt von Ostende entstanden. Foto: Meike Nordmeyer

Schon an diesen wenigen Beispielen wird deutlich, was für eine facettenreiche und spannende Streetart-Galerie in Ostende entstanden ist. Bei einer Tour zu Fuß habe ich viel entdeckt, und doch nur einen Bruchteil davon zu sehen bekommen. Ich muss unbedingt nochmal wiederkommen und dann mit dem Fahrrad losziehen, denn damit lassen sich auch die weiter außerhalb befindlichen Werke schnell erreichen. Und nach der Fahrradtour dann herrlich am Strand entspannen – das ist eine tolle Kombi, die sich in der Küstenstadt bietet. Für das Jahr 2020 ist eine weitere Ausgabe des Festivals Crystal Ship geplant, dann wird die Galerie in Ostende also noch weiter wachsen. Es bleibt spannend, was das Kristallschiff beim nächsten Mal in die Stadt bringt-

Weitere Infos

Jeden Sonntagvormittag finden Führungen zur Streetart in Ostende statt. Anmeldung und Treffpunkt ist an der Touristen Information an der Monacoplein 2. Die Führungen sind auf flämisch, mit Anmeldung können auch englischsprachige gebucht werden.

Wer die Streetart in der Stadt mit dem Fahrrad erkunden will, der kann über die Touristen Information ein Gefährt mieten und der Fahrradroute in dem Crystal-Ship-Plan folgen.

Weitere Infos zum Festival gibt es hier.

Flämische Meister

Rubens und Moretus – eine fruchtbare Freundschaft mit Folgen

Ich liebe Bücher und ich habe ein ausgesprochenes Faible für Kunst und Design. Ich verbringe viele Stunden in Museen, Ausstellungen und Bibliotheken. Die neue Ausstellung „Baroque Book Design. Eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenarbeit“ im Museum Plantin-Moretus in Antwerpen ist daher ganz nach meinem Geschmack. Bis zum 6. Januar 2019 ist sie noch zu sehen. Sie ehrt nicht nur die Zunft der Buchgestalter, sondern auch Peter Paul Rubens als Buchdesigner.

Nachdem im Juni ja schon die ersten Ausstellungen im Rahmen des Themenjahres „Antwerp Baroque 2018. Rubens inspires“ eröffnet haben, folgt nun der zweite Schwung. Und dabei richten sich die Scheinwerfer des Festivals – in der Geburtsstadt des epochalen Topstars – auch wieder auf den großen Künstler persönlich. Dass Rubens mit seinen prallen Damen Lebenslust, Überschwang, Pioniergeist und ganz viel Emotion verkörpert, ist hinlänglich bekannt. Eher im Hintergrund bleiben häufig andere Aspekte seines künstlerischen Schaffens und des Netzwerks, das Rubens zeitlebens pflegte – etwa die Freundschaft mit dem Antwerpener Verleger Balthasar Moretus. Dieser lebte von 1574 bis 1641 und war Enkel des berühmten Christoffel Plantin und Sohn von Jan Moretus, den Begründern der großen Druckerdynastie in Antwerpen. Wohnhaus und Druckerei sind heute als Museum zugänglich.

Printing factory, Museum Plantin-Moretus, © Filip Dujardin

Balthasar I Moretus, Titelseite des Breviarum Romanum

In dem prächtigen Gebäude wird die jahrhundertealte Geschichte des Buches und der Buchdruckerkunst zum Leben erweckt. Ihr erhaltet einen Blick in eine einzigartige Sammlung: die ältesten Druckpressen der Welt, eine einmalige Bibliothek mit Zehntausenden von Büchern und eine herrliche Kunstsammlung. Unzählige Buchstaben liegen hier gut sortiert in den Regalen, als hätten die Setzer sie gerade erst dort hingelegt. Kein Wunder also, dass das Museum Plantin Moretus im Jahr 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde – übrigens als allererstes Museum der Welt.

Die Druckerei ist nicht nur ein eindrucksvolles Technikdenkmal, es ist auch die Keimzelle für eine neuen Gattung Buch. Im 16. Jahrhundert – der moderne Buchdruck in Europa war noch keine hundert Jahre alt – entstanden viele neue Arten von Büchern. Das ist nicht zuletzt Verlegern wie der Familie Plantin-Moretus zu verdanken. Sie suchten nach neuen Wegen, Informationen und Ideen auf Papier zu drucken und zu ordnen. Sie dachten darüber nach, wie Texte besser gesetzt werden konnten, wie Bild und Text zusammenspielten, und was die Titelseite eines Buches darstellen konnte und sollte. Damals entstand das gedruckte Buch, wie wir es heute kennen – und auch heute noch stellen sich Verleger und Designer zu Beginn eines Publikationsprojekts ähnliche Fragen.

Es war Balthasar I Moretus, der erstmals prominente Künstler für seine Buchprojekte gewann. Und hier kommt dann auch Rubens ins Spiel: als Freund der Familie hatte er bereits zahlreiche Familienportraits gemalt. Nun erhielt er zum Beispiel den Auftrag für die Illustrationen für neue Gebetbücher und machte sich damit erstmal als Buch-Designer einen Namen. Der Besuch im Museum Plantin-Moretus lässt daran keinen Zweifel und zeigt, dass auch Rubens‘ Zeitgenossen Erasmus Quellinus, Karel de Mallery, Peeter de Jode und Abraham Van Diepenbeeck Entwürfe für Titelseiten und Illustrationen lieferten und somit im Buchgewerbe mitmischten. Ihr könnt in der Ausstellung tief eintauchen in die Geschichte, das Handwerk und die Kunst des Buches. Weiterlesen …

Flandern, Gent, Kultur

Design oder nicht sein

Immer wenn ich in belgischen Restaurants, Hotels oder Geschäften bin, wenn ich in die Häuser und Gärten schaue, dann habe ich das Gefühl, dass die Menschen hier ein ganz besonderes Verhältnis zu Gestaltung haben: Design oder nicht sein, so scheint mir das Motto vieler Flamen. Und so wundert es auch nicht, dass es in Gent ein ganzes Museum voll mit den wirklich schönen Dingen des Alltags gibt, mit Stühlen, Lampen, Stoffen und Objekten – das Design Museum Gent. Das möchte ich euch heute vorstellen.

Zugegeben, an dieser Stelle hab ich schon häufiger gesagt, dass das ein oder andere Museum in Flandern zu meinen Favoriten zählt. Das Design Museum Gent ist aber – zumindest bis jetzt – mein absoluter Spitzenreiter. Nur ein paar Gehminuten weg vom Trubel am Korenmarkt, liegt es in einer ruhigen Straße, der Jan-Breydel-Straat. Es ist ein Mekka für Ästheten und – ich hatte jedenfalls bisher immer Glück – auch eine Oase der Ruhe, denn in dem großen Komplex verteilen sich die Besucher schnell.

Das Design Museum:

Das Gebäude an sich ist schon eine Attraktion: Den Kern bildet das ehemalige „Hotel de Coninck“, ein 1755 erbautes Herrenhaus. In den schönen im Rokoko und klassischen Stil ausgestatteten Innenräumen könnt ihr über die alten knarzenden Parkettböden wandeln und Wandgemälde, Ledertapeten, Kamine und Holztäfelungen bestaunen. Die alten Polstermöbel und der hölzerne Kronleuchter katapultieren euch zurück ins 17. und 18. Jahrhundert. Und gleich im ersten Raum gibt es ein Fest fürs Auge: In dem gediegenen Ambiente des Salons sticht ein Tisch aus lauter Büchern hervor, die Platte eine Collage aus leuchtend bunten Buchdeckeln unter einer Gasplatte, eine Kunstwerk von Richard Hutten.  Ein spannender Kontrast, der gleich zu Beginn des Rundgangs die immense Breite der Sammlung des Museum repräsentiert, die nicht nur in dem imposanten Altbau, sondern auch einem 1992 ergänzten luftigen Neubau gezeigt wird.

An dieser Stelle macht es Sinn, kurz in die Geschichte des Museum zurückzublicken: Das Museum wurde 1903 vom „Verband der industriellen und dekorativen Künste“, einer privaten Organisation von Industriellen und Künstlern, gegründet. Zunächst hatte es sich auf Möbelstücke aus dem 18. Jahrhundert in verschiedenen französischen Stilen, darunter Rokoko, Neoklassizismus und Empire-Stil sowie zeitgenössische Objekte aus der Zeit um die Weltausstellung in Gent (1913) und aus den frühen 1920er Jahren in Paris konzentriert. Später kamen wundervolle Stücke aus der Zeit der Art Nouveau und Art Deco sowie italienische Postmoderne mit Studio Alchimia und Memphis dazu. Nach und nach hielt aber auch zeitgenössisches Industriedesign und künstlerisches Design Einzug. Was dazu führte, dass das nun auch räumlich erweiterte Museum 1995 in „Museum für Dekorative Kunst und Design“ und 2001 schließlich in Design Museum Gent umbenannt wurde.

Heute ist die Sammlung auf über 22.500 Objekte angewachsen. Sie umfasst angewandte Kunst und Design von 1450 bis heute und sie ist sowohl regional, national als auch international sehr vielseitig. Nirgendwo sonst in Belgien findet ihr solch ein zusammenhängendes Bild vom führenden Design seit dem Jugendstil.  Im Fokus steht dabei vor allem die Gestaltung von Innenräumen, von der Privatwohnung bis zum Büro – also von Möbeln über Keramik und Glas bis zu Textilien. Außerdem zeigt das Museum einige Klassiker des nationalen und internationalen Designs, die den jeweiligen Zeitgeist wundervoll widergeben.

Design Museum, © Joost Joossen

Ich empfehle Euch auf jeden Fall: bringt Euch viel Zeit mit. Es gibt so viel zu entdecken, und vor allem wiederzuentdecken, denn das ein oder andere schön gestaltete Stück habt ihr vielleicht selbst schon mal in den Händen  gehalten oder vielleicht schon selbst „besessen“, wie den Kultstuhl 03 von Maarten Van Severen oder den Elefanten-Hocker von Charles und Ray Eames.

Derzeit ist übrigens eine erneute Erweiterung geplant: In einem neuen Museumsflügel soll Platz für Sonderausstellungen, Workshops und Museumsgastronomie geschaffen werden. Spätestens dann werde ich wieder in mein Lieblingsmuseum fahren.

© Bas Bogaerts, Vist Gent

Flandern, Kultur, Mechelen

Der St. Ursulinen Stift – Eine traumhaft schöne Schule

Der St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver (Belgien) ist eine Schule.

Ganz ehrlich? So sieht sie von außen auch aus. Das schlichte Haus wirkt von außen wie so viele andere Schulen auch. Schlicht – einfach – praktisch. Schon seit über 175 Jahren wird hier gelehrt. Bis in die 50er Jahre war das St. Ursula Institute eine katholische Schule, ausschließlich für Mädchen aus „besseren Familien“. Diese wohnten im Internat, die Eltern waren in der großen weiten Welt unterwegs.

St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver, © Janett Schindler

Ein Paradies für Fans des Jugendstils

Soweit so gut. All das klingt im ersten Moment nicht wirklich spannend. Und doch befindet sich im inneren des etwas 10 Hektar großen Schulkomplexes mehr als nur eine einfache Gesamtschule. Hier befindet sich das Paradies für Fans von Art Déco und Jugendstil.

Zwei Stunden Schule am Sonntag?

Wir sind neugierig. Ein paar Kilometer von Mechelen entfernt wartet der kleine Ort „Onze-Lieve-Vrouw-Waver“ auf uns. Der Schulparkplatz und auch der Eingang sind schnell zu finden. Als Geheimtipp gelten der Wintergarten und die Schule. Wir jedoch müssen uns erst einmal in einer kleinen Schlange anstellen. 10 Euro kostet der Eintritt inklusive Führung.

St. Ursulinen Stift in Onze-Lieve-Vrouw-Waver, © Janett Schindler

Das Geld wird verwendet um das Haus in seiner Pracht zu erhalten. Die Führungen werden neben Englisch und Französisch auch in Niederländisch angeboten – und das Angebot der offenen Führungen wird sehr gut angenommen. Gut 100 Leute warten an diesem Sonntag auf die zweistündige Tour. Unsere „englische Gruppe“ ist etwas kleiner und wir haben Glück, denn eine ehemalige Schülerin der Mädchenschule begleitet unsere Gruppe. Weiterlesen …

Brüssel, Flandern, Kultur

Ein Museum für die Kultur 2.0

Das MIMA in Brüssel

Kunst muss Spaß machen dürfen, finde ich. Und Museen sollten sowohl mit der Zeit als auch neue Wege gehen. Das betrifft nicht nur die Vermittlung, sondern vor allem auch die Inhalte. Gerade jetzt, wo sich so vieles um die Alten Meister dreht (die ich im Übrigen wunderschön finde), treibt mich manchmal die Sehnsucht nach etwas Modernem um, nach den Jungen Meistern und ihrer ganz besonderen Sicht der Welt, nach etwas total Anderem. Kennt ihr das? Das ist, wie wenn man nach einem scharfen Essen ein Stück (belgische) Schokolade essen will. Und das Museum, das ich euch heute vorstellen will, ist für mich so ein spannender Kontrast, so etwas wie der Street Art Smoothie nach einem üppigen Barock-Gericht. Ich spreche vom MIMA, dem Millennium Iconoclast Museum of Art. Es gehört nicht zu den Museums-Blockbustern in Brüssel, sondern eher zur Kategorie Geheimtipp.

Restaurant im MIMA Brüssel, © MIMA

Das europaweit einzigartige Museum will alte Zöpfe abschneiden, einfach mal was ganz anderes machen. Genau in diesem Sinne haben Michel und Florence de Launoit, Alice van den Abeele und Raphaël Cruytl vor ein paar Jahren das ambitionierte Museumskonzept entwickelt. In den Gemäuern der einstigen Belle-Vue-Brauerei im Stadtteil Molenbeek haben sie nun Raum geschaffen für „eine Kultur, die Barrieren niederreißt und ein breites Publikum erreicht, ein Museum, das die heutige Welt widerspiegelt und den Weg für die Welt von morgen ebnet“. Und so steht das MIMA seit April 2016 für eine wirklich ungewöhnliche Präsentation zeitgenössischer Kunst und eine – wie die Macher es selbst nennen – Kulturgeschichte 2.0. Es zeigt eine spannende Mischung urbaner, grafischer, musikalischer, sportlicher, künstlerischer und Geek-Kulturen, die ganze Palette  von Graffiti  bis Tattoo-Kunst.

Nomads Akay and Olabo FIAT 500, © MIMA

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Flandern, Kultur, Leuven

Die Parkabtei Leuven – Ein neues Juwel der Sakralkultur

Zu Besuch in der Parkabtei Leuven

„(Nicht) von dieser Welt. Bilder von Abgeschiedenheit und Befreiung“ – so lautet der Name der Ausstellung, mit der das neue Museum PARCUM in der Parkabtei Leuven Ende Oktober eröffnet wurde. Nicht von dieser Welt scheint auch der Ort, an dem nun sakrale Schätze aus flämischen Klöstern und Abteien gezeigt werden: Es befindet sich im frisch restaurierten Westflügel der Parkabtei in Leuven, einer der schönsten und am besten erhaltenen Abteien Flanderns.

ParkabteiLeuven, © Isabelle Debruyckere

ParkabteiLeuven, © Isabelle Debruyckere

Wir haben einen Blick in die umfangreich sanierte mittelalterliche Anlage geworfen und sind noch ganz verzückt. Denn hier in der Parkabtei scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Das Kloster wurde seit 1129 ununterbrochen von den Norbertinern, wie die Prämonstratenser in Flandern und den Niederlanden genannt werden, bewohnt. Auch heute lebt hier noch eine kleine Zahl an Klosterbrüdern, die die Tradition des Gemeinschaftslebens und der pastoralen Arbeit fortsetzen. Die Klostergebäude und die Innenausstattung sind seit dem 17. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten. Auf dem insgesamt 42 Hektar großen Gelände findet ihr nicht nur eine romanische Klosterkirche, ein monumentales Tor im klassizistischen Stil und einen kleinen Friedhof. Ihr könnt auch durch die großzügige Parkanlage mit ihren Alleen, Fischteichen und Wiesen wandeln. Weiterlesen …

Mechelen

Hier gibt’s was auf die Glocken!

Eine Flandern Geschichte über Glocken? Da denken die meisten von euch sicherlich direkt an Weihnachten und „Süßer die Glocken nie klingen …“ Aber – Glocken haben in Flandern das ganze Jahr über Konjunktur, vor allem in Mechelen, der Hauptstadt des Turmglockenspiels. Wie es dazu kam?

Die Mechelner waren und sind bekannt dafür, dass sie immer und überall zu spät kommen. Kein Wunder also, dass es im 18. Jahrhundert am Sankt Romboutsturm die größte Turmuhr der Welt gab – und zwar auf jeder Turmseite eine. Die vier gigantischen Zifferblätter waren sogar noch größer als die des Big Ben in London! Natürlich hatten die Turmuhren keine Minutenzeiger. Die Viertelstunden wurden von den Glocken geschlagen. Und das ist noch heute so, obwohl es die Turmuhren nicht mehr gibt. Weiterlesen …

Gent, Kultur

Gent: Der Street Art Hot Spot in Europa

Denkt ihr bei Gent zuerst an romantische Gassen, Alte Meister und den Genter Altar? Dann wollen wir euch in dieser Flandern-Geschichte eine ganz andere Facette dieser kreativen und kunstvollen Stadt vorstellen: Denn auch in Sachen Street Art ist Gent ganz groß. Berühmte Street-Art-Künstler wie ROA und Bue the Warrior leben hier und haben ihre markanten Spuren im Stadtbild hinterlassen.

Mit der Werregarenstraat hat Gent sogar eine richtige Graffitigasse. Die solltet ihr euch bei eurem nächsten Gent-Trip unbedingt mal anschauen. Nicht nur, weil die großformatigen farbenfrohen Outdoor-Kunstwerke beliebte Fotokulissen sind, sondern auch, weil ihr live dabei sein könnt, wenn neue Kunstwerke entstehen: Wenn ihr Glück habt, könnt ihr Künstlern wie HardNesh über die Schulter schauen, wenn sie selbst mit ihren Sprühdosen neue Street Art an die Wände bringen oder wenn sie bei Workshops jungen Talenten Anleitung und „Spiel“-Raum zum Sprühen geben. Wiederkommen lohnt sich, schließlich verändert die Graffitigasse ständig ihr Aussehen.

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Brüssel, Kultur

Kleine Comic Helden ganz groß

Bei dieser Flandern Geschichte wird‘s mal so richtig bunt! Sie handelt von kleinen, weit bekannten Helden, die in Flandern das Licht der Welt erblickt haben: Luky Luke, Tim und Struppi und zahlreichen weiteren berühmten Comic-Stars. Einmal im Jahr haben sie in Brüssel ihren ganz großen Auftritt: Dreidimensional und überlebensgroß schweben sie als farbenfrohe Figuren bei der Balloon’s Day Parade durch die Innenstadt – ein Spektakel, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet: Am 4. September machen die meterhohen Figuren die Straßen der belgischen Hauptstadt wieder zum bunten Comic-Boulevard. Bereits das Aufblasen der gigantischen Figuren ist ein Schauspiel: Schon morgens um zehn Uhr werden am Paleizenplein die Comic-Helden mit Helium gefüllt. Dann nehmen Bob der Baumeister, Fritz the Cat, oder Gaston nach und nach ihre markante Form an. Um 14 Uhr setzt sich die bunte Parade dann in Bewegung.

Die Parade ist Höhepunkt und krönender Abschluss des Comic-Festivals, das vom 2. bis 4 September wieder Fans aus aller Welt nach Brüssel lockt. Für alle, denen die Parade zu „abgehoben“ ist, haben wir noch einen weiteren Tipp: die „Tintin Magazine Rally“. Diese führt ebenfalls am 4. September durch die Straßen von Brüssel bis zum Musée Hergé in Louvain-la-Neuve und retour. Erwartet werden rund 80 Vintage-Autos und Motorräder, die ihr aus den Tim & Struppi-Heften kennt: Ob der Ford T aus „Tim im Kongo“ oder der Lincoln Zephyr von Kapitän Haddock aus „Die 7 Kristallkugeln“. Sie und ihre stilecht gekleideten Fahrer versprühen dabei das Flair aus vier Jahrzehnten Tim und Struppi-Heften.

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Kultur, Küste

Küste: Krabbenfischer zu Pferde

„Auf dem Rücken der Pferde…“, so könnte diese Flandern-Geschichte beginnen. Aber sie geht bestimmt nicht so weiter, wie ihr denkt. Schauplatz ist auch kein Ponyhof, sondern die belgische Küste. Genauer gesagt die kleine Küstengemeinde Oostduinkerke.  Jeden Tag, etwa  zwei Stunden vor der Ebbe, schwingen sich hier Fischer in Öljacke, hohen Gummistiefeln und Südwester auf dem Kopf auf ihre massigen Pferde – keine edlen Rösser, sondern schwere Hengste der Brabanter oder Henngauer Rasse. Bei Wind und Wetter trotten die belgischen Kaltblüter los und ziehen riesige Netze durch die Brandung – bis sie bis zum Hals im Wasser stehen. Auf ihrem Rücken neben den Reitern zwei große Reetkörbe für die Krabben, die auf diese ungewöhnliche Art aus  der Nordsee gefischt werden.

Der weite weiße Sandstrand von Oostduinkerke bietet nicht nur eine grandiose Kulisse für das Schauspiel, das man nirgendwo anders auf der Welt findet. Er bietet auch aufgrund seiner Lage und Beschaffenheit einen ausgezeichneten Nährboden für die Krabben. Und das schon seit Jahrhunderten. So gingen bereits vor rund  500 Jahren die ersten Paardenvissers, wie sie auf Flämisch genannt werden, hier mit ihren Pferden auf Krabbenfang.  Kein Wunder, dass diese Kulturtechnik seit 2013 sogar auf der UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes steht. Genau so traditionell wie die Fisch-Technik sind auch die Fischer selbst: Viele der 16 heute noch aktiven Fischer sind in die Fußstapfen ihre Vorväter getreten. Weiterlesen …