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Flämische Meister

Brüssel, Flämische Meister, Flandern

Begegnungen mit Pieter Bruegel

Neulich bin ich schmunzelnd aus einer Kirche gekommen. Warum? Weil ich dort eigentlich auf der Suche nach dem Grab von Pieter Bruegel war, stattdessen aber auf eine Reihe ungewöhnlicher Figuren stieß.

Bilder: Kapellerkerk, © Bowling Visit Flanders

Da ragten plötzlich kleine Beinchen aus einem Taufbecken, als wäre gerade ein kleines Männchen zum Schwimmen reingesprungen. Links neben dem Altar entdeckte ich ein behelmtes Wesen, das an einer Säule emporklettert als wolle es sich mit dem steinernen Totenkopf über ihm anlegen. Als ich den Engel sah, der über dem Altarraum in der Luft schwebt, da kam mir die Eingebung. Der Engel hatte nämlich verblüffende Ähnlichkeit mit einer Figur aus meinem Lieblingsbild von Pieter Bruegel „Der Sturz der rebellierenden Engel“.

Ich hatte bei meinem Besuch in Brüssel den Spuren Bruegels folgen wollen und war dabei zwangsläufig in der Kapellekerk gelandet. Der große flämische Meister, der damals um die Ecke dieser Kirche im Marollenviertel wohnte, hat hier geheiratet und wurde auch hier begraben. Aber zurück zu den Figuren. Ich fand nicht nur weitere skurrile Figuren dieser Art in der ganzen Kirche (manchmal muss man schon ganz genau hingucken), sondern am Eingang der Kirche auch die Erklärung dazu: Ein passendes Heft für diese Schnitzeljagd, in dem alle Figuren aufgeführt werden, die es zu finden gilt. Sie stammen allesamt aus Bruegel-Bildern und sind somit Appetithäppchen auf das Bruegel-Jahr, das 2019 anlässlich des 450. Todestags des Malers gefeiert wird.

Den Hunger stillen kann man übrigens nicht erst Ende Februar 2019, wenn die ersten der großen Sonderausstellungen in und um Brüssel eröffnen. Schon jetzt gibt es viele permanente Angebote rund um Bruegel in der Stadt.

Ständig da ist zum Beispiel die Bronzeskulptur direkt vor der Kirche, die den Künstler in Malerpose zeigt und die immer gut für ein Selfie ist. Nur wenige Meter weiter, in der Rue Haute 132, findet ihr das eher unscheinbare Wohnhaus von Pieter Bruegel. Einige Fußminuten von der Kirche entfernt, oben auf dem Mont des Arts, wo einst die mächtigen Mäzene des Künstlers residierten, findet ihr heute zahlreiche Werke von Bruegel im Original.

Die Königlichen Museen der Schönen Künste von Brüssel (KMSKB) etwa besitzen die weltweit zweitgrößte Bruegel-Gemäldesammlung. Hier habe ich mich nach dem ungewöhnlichen Kirchenbesuch noch mal richtig in die Kunst vertieft. Und ich habe tatsächlich einige Figuren aus der Kirche wiedererkannt. Denn schließlich hängt hier im Bruegel-Saal das Originalbild mit den rebellierenden Engeln. Wie viele andere Bruegel-Bilder ist es ein wahres Wimmelbild, das unzählige Geschichten erzählt. Manch winziges (und oft witziges) Detail bliebe einem vielleicht ewig verborgen, wären da nicht die „Unseen Masterpieces“. Das ist eine virtuelle Ausstellung in den KMSKB mit neun Touchscreens, die die Meisterstücke zeigt, wie ihr sie noch nie gesehen habt. Zusammen mit Google wurden 12 Meisterwerke renommierter Museen in einer unfassbar hohen Auflösung – megapixel-genau – aufgenommen und nun so präsentiert, dass man sich so weit in die Bilder hineinzoomen kann, wie man will. In einer „Bruegel Box“ könnt ihr sogar selbst in die Bruegelschen Bilderwelten eintauchen. Denn hier werden die Bilder flächendeckend an die Wände eines eigenen Musemsraums projiziert und erläutert.

Brüssel-Bruegel-Box

Noch ganz beglückt von diesem intensiven Kunstgenuss und von der Tatsache, dass ich so viele meiner neuen Bekannten aus der Kapellekerk wieder getroffen hatte, verließ ich auch das Museum schmunzelnd. Ich hätte nie gedacht, dass alte Meister so viel Spaß machen können!

Flandern, Kultur

Chambre Privée – Im Wohnzimmer mit den Flämischen Meistern

Ward ihr schon mal bei einem Kunstsammler zuhause? Könnt Ihr euch vorstellen, wie jemand, der kostbare Bilder etwa von den Flämischen Meistern besitzt, diese in den eigenen vier Wänden anordnet? Hängt ein Brueghel über dem Sofa? Und gleich neben dem Fernsehsessel ein Brouwer? Sieht ein passionierter Kunstsammler überhaupt fern? Da möchte man doch gerne mal einen Blick durchs Schlüsselloch werfen.

Private Einblicke

Chambre Privée, © Peter Hinschläger

Ein 91-jähriger Kunstsammler erlaubt jetzt einen solchen, seltenen Blick in seine Privaträume. Das bedeutet nicht, dass er die kunstinteressierte Öffentlichkeit in Scharen durch sein stilvoll eingerichtetes heimisches Wohnzimmer laufen lässt – schließlich möchte der alte Herr auch gern anonym bleiben. Nein, seine kunstvoll bestückten Räume kommen ins Museum: als Pop-up-Wohnzimmer mit Originalbildern und mit Fotowänden, auf denen Ambiente und Atmosphäre des Sammler-Zuhauses eingefangen sind. Die Idee, Einblicke in die Wohnzimmer von Privatsammlern zu geben, hatte Sarvenaz Ayooghi, Gemäldekuratorin am Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Und sie entwickelte daraus das ungewöhnliche Ausstellungsformat „Chambre Privée“, das am 8. November mit der Schau der Flämischen Meister im Kaminraum des Museums startet. Drei Monate lang, bis zum 3. Februar 2019, sind dann die privaten Räume des Sammlers, der auf flämische und holländische Malerei spezialisiert ist, für Besucher „begehbar“.

 

 

Ihr seht opulente Blumenbouquets und Silberpokale, im Vitrinenschrank Meissner-Figuren und barocke Buckelgläser, auf der reich verzierten Rokoko-Kommode eine kostbare Empire-Tischuhr. Alles ist sorgsam arrangiert und gerahmt von gerafften Vorhängen – als beträte man ein Stillleben. Und dann wird der Blick gefesselt von den Gemälden an den Wänden. Hier hängen 14 echte Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter die „Seeküste mit Scipionengrab“ von Jan Brueghel d.Ä. oder die wunderschöne Berglandschaft von Paul Bril, aber auch Bilder von Ambrosius Bosschaert über Frans Snyders bis Adriaen Brouwer.

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Flämische Meister, Flandern

Wie Jan van Eyck die Malerei revolutionierte

Falten, Bartstoppeln, Tränensäcke oder schiefe Nasen – ist euch schon mal aufgefallen, dass man sowas früher auf Gemälden nicht gefunden hat? Im Gegenteil, da wurde kräftig idealisiert und geschönt. Das änderte sich erst im Spätmittelalter mit Jan van Eyck (um 1390 bis 1441), einem der bedeutendsten Flämischen Meister und Wegbereiter der „Flämischen Primitiven“. Der Begriff, der aus dem 19. Jahrhundert stammt und für eine besondere Künstlergruppe und eine Malerei steht, wird heute kaum noch verwendet. Kein Wunder, verbindet man mit dem Wort „primitiv“ doch alles andere als das, was Künstler wie Jan van Eyck, Hans Memling, Hugo van der Goes und Gerard David damals geschaffen haben.

Schauen wir uns genauer an, was das revolutionär Neue war: Die „altniederländische Malerei“ wie es heute in der Kunstgeschichte heißt, steht nicht nur für fotografisch detaillierte Oberflächendarstellungen, für die schonungslos naturalistische Abbildung von echten Menschen mit all ihren Makeln. Sie steht auch für eine seit der Antike nicht mehr erreichte Naturbeobachtung und -treue sowie äußerst wirkungsvoll eingesetzte Lichteffekte und Farben. Zudem wurden die im Mittelalter üblichen Goldgründe durch realistische Landschaften als Bildhintergrund ersetzt. Es änderte sich aber nicht nur Maltechnik: Plötzlich hatten die Heiligen ihren Platz nicht mehr nur in den Gotteshäusern, sondern auch in den Wohnstuben der Bürger – wenn auch nur der Wohlhabenden. Diese ‘Verbürgerlichung’ und fotorealistische ‘Natürlichkeit’ weisen schon in die Neuzeit und sie begründen die europäische Malerei, wie wir sie heute noch kennen und bewundern. Eine ungemein wichtige Kunstepoche also. Weiterlesen …

Flämische Meister

Rubens und Moretus – eine fruchtbare Freundschaft mit Folgen

Ich liebe Bücher und ich habe ein ausgesprochenes Faible für Kunst und Design. Ich verbringe viele Stunden in Museen, Ausstellungen und Bibliotheken. Die neue Ausstellung „Baroque Book Design. Eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenarbeit“ im Museum Plantin-Moretus in Antwerpen ist daher ganz nach meinem Geschmack. Bis zum 6. Januar 2019 ist sie noch zu sehen. Sie ehrt nicht nur die Zunft der Buchgestalter, sondern auch Peter Paul Rubens als Buchdesigner.

Nachdem im Juni ja schon die ersten Ausstellungen im Rahmen des Themenjahres „Antwerp Baroque 2018. Rubens inspires“ eröffnet haben, folgt nun der zweite Schwung. Und dabei richten sich die Scheinwerfer des Festivals – in der Geburtsstadt des epochalen Topstars – auch wieder auf den großen Künstler persönlich. Dass Rubens mit seinen prallen Damen Lebenslust, Überschwang, Pioniergeist und ganz viel Emotion verkörpert, ist hinlänglich bekannt. Eher im Hintergrund bleiben häufig andere Aspekte seines künstlerischen Schaffens und des Netzwerks, das Rubens zeitlebens pflegte – etwa die Freundschaft mit dem Antwerpener Verleger Balthasar Moretus. Dieser lebte von 1574 bis 1641 und war Enkel des berühmten Christoffel Plantin und Sohn von Jan Moretus, den Begründern der großen Druckerdynastie in Antwerpen. Wohnhaus und Druckerei sind heute als Museum zugänglich.

Printing factory, Museum Plantin-Moretus, © Filip Dujardin

Balthasar I Moretus, Titelseite des Breviarum Romanum

In dem prächtigen Gebäude wird die jahrhundertealte Geschichte des Buches und der Buchdruckerkunst zum Leben erweckt. Ihr erhaltet einen Blick in eine einzigartige Sammlung: die ältesten Druckpressen der Welt, eine einmalige Bibliothek mit Zehntausenden von Büchern und eine herrliche Kunstsammlung. Unzählige Buchstaben liegen hier gut sortiert in den Regalen, als hätten die Setzer sie gerade erst dort hingelegt. Kein Wunder also, dass das Museum Plantin Moretus im Jahr 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde – übrigens als allererstes Museum der Welt.

Die Druckerei ist nicht nur ein eindrucksvolles Technikdenkmal, es ist auch die Keimzelle für eine neuen Gattung Buch. Im 16. Jahrhundert – der moderne Buchdruck in Europa war noch keine hundert Jahre alt – entstanden viele neue Arten von Büchern. Das ist nicht zuletzt Verlegern wie der Familie Plantin-Moretus zu verdanken. Sie suchten nach neuen Wegen, Informationen und Ideen auf Papier zu drucken und zu ordnen. Sie dachten darüber nach, wie Texte besser gesetzt werden konnten, wie Bild und Text zusammenspielten, und was die Titelseite eines Buches darstellen konnte und sollte. Damals entstand das gedruckte Buch, wie wir es heute kennen – und auch heute noch stellen sich Verleger und Designer zu Beginn eines Publikationsprojekts ähnliche Fragen.

Es war Balthasar I Moretus, der erstmals prominente Künstler für seine Buchprojekte gewann. Und hier kommt dann auch Rubens ins Spiel: als Freund der Familie hatte er bereits zahlreiche Familienportraits gemalt. Nun erhielt er zum Beispiel den Auftrag für die Illustrationen für neue Gebetbücher und machte sich damit erstmal als Buch-Designer einen Namen. Der Besuch im Museum Plantin-Moretus lässt daran keinen Zweifel und zeigt, dass auch Rubens‘ Zeitgenossen Erasmus Quellinus, Karel de Mallery, Peeter de Jode und Abraham Van Diepenbeeck Entwürfe für Titelseiten und Illustrationen lieferten und somit im Buchgewerbe mitmischten. Ihr könnt in der Ausstellung tief eintauchen in die Geschichte, das Handwerk und die Kunst des Buches. Weiterlesen …

Antwerpen, Flämische Meister, Flandern

Revolutionärer Ozean – Rubens´ Rubens im Rubenshaus

Nein, man könne nicht sagen, Rubens sei ein großer Maler gewesen. Peter Paul Rubens war weit mehr: „Das ganze Gusto, sein präzises Wissen, der unbändige, kraftvolle Drive in ihm und in seiner Kunst, da schießt einem doch heute noch das Blut durch den Körper.“ Ben van Beneden, der Direktor des Rubenshauses in Antwerpen, ist hingerissen von dem Mann, dessen Erbe er im Rubenshuis hütet.

„Caravaggio oder Johannes Vermeer sind fantastisch“, sprudelt es aus van Beneden heraus, „absolut großartig, manchmal ganz große Meister der Stille. Aber doch, Entschuldigung, limitiert, wenn man diesen revolutionären Ozean Rubens sieht“. Rembrandt ja, „auch der genial, aber gegen Rubens…?“ Wobei sich der 61-Jährige gleich korrigiert: „Rubens ist eigentlich gar nicht vergleichbar.“

Rubens (1577–1640) war ein vielseitiger Künstler, er leitete in Antwerpen sein großes Atelier, bildete Lehrlinge des Pinselstrichs aus, galt als Kosmopolit mit gierigem Interesse an der Wissenschaft, er war Kunstsammler, als Diplomat in Europa unterwegs, vielsprachig sowieso und traf sich in Antwerpen mit Kollegen wie van Eyck oder Adriaen Brouwer. „Ein Tausendsassa“, heißt es im Rubenshaus. Sicher, sein Rubens habe, sagt Direktor van Beneden, wie viele Künstler im Barock, auch „Arbeiten nur als Job gemacht, als Auftrag; aber wenn er richtig drin war – wow!“

Ben van Beneden kommt auf ein Portrait zu sprechen, das Rubens von seiner Frau gemalt hat: „Ihr Blick, ihr Fleisch und sie ist ja fast nackt. Diese schiere Tiefe, die alles sprengt. Fantastisch, einfach fan-tas-tisch.“ Sorry, aber wer so schwärmt von einer gemalten Dame, was kann der noch zu seiner eigenen Frau sagen? Ben van Beneden lacht. Doch, er habe ihr schon sein schönstes Kompliment gemacht: „Dich hätte Rubens malen sollen.“

Rubenshuis, © Antwerp Tourism and Convention

Auf ins Rubenshuis, wo der große Meister arbeitete, wohnte und sein Studio leitete. Ein enger Oneway-Rundgang in einem engen Haus mit teils hohen, dunklen Holzdecken und knarzenden, sehr ausgelatschten Treppen: Neben einigen Rubenswerken hängen hier Bilder von Zeitgenossen: Brueghel, van Dyck, Jordaens. Der Engel von Jacopo Tintoretto ist bekannt als Bowies Tintoretto. Popstar David Bowie hatte das Bild vor mehr als 30 Jahren erworben, nach seinem Tod konnte es ein unbekannter Privatsammler bei Sotheby´s ersteigern und stellte es umgehend dem Rubenshaus als Dauerleihgabe zur Verfügung. Seit Juni 2017 ist das Bild der stolzeste Neuzugang, hängt allerdings etwas versteckt, morgens von Lichtstrahlen der Sonne durch ein Fenster schräg bespielt; scheinbar störend – aber vielleicht ist es auch der Heilige Geist oder ein lichterner Gruß von Bowie von ganz oben.

Rubens Selbstportrait im Rubenshuis

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Antwerpen, Flandern, Kultur, Neu auf dem Flandern-Blog

Blutleer oder Blutrot? Ein Portrait von Luc Tuymans

Einer der Höhepunkte des Barockjahres 2018 in Antwerpen wird die Ausstellung „Sanguine | Blutrot“ im M HKA sein, bei der Barockmeister mit zeitgenössischen Spitzenkünstlern konfrontiert werden.  Der Kurator der Schau ist selbst Künstler: niemand anderes als der in Antwerpen lebende Luc Tuymans, einer der einflussreichsten Maler der Gegenwart. Ich möchte die Ausstellung zum Anlass nehmen, euch diesen zeitgenössischen flämischen Meister einmal genauer vorzustellen.

Tuymans at work (c) Studio Tuymans

Luc Tuymans bei der Arbeit, © Studio Tuymans

Der 1958 in einem Vorort von Antwerpen geborene Künstler hat viele Bewunderer, aber nicht jeder kann seiner Kunst etwas abgewinnen. „Ausgebleicht die Oberflächen, blutleer und schwindsüchtig, lauter Bilder im Trüben, nebelverhangen“ so urteilte etwa Hanno Lauterberg vor einigen Jahren in der ZEIT über Tuymans Bilder. „Der Belgier Luc Tuymans ist nicht nur Maler, sondern einmal mehr auch ein begnadeter Inszenator des Schreckens“ meinte dagegen Jenny Hoch 2008 im SPIEGEL. Damals richtete ihm das Münchner Haus der Kunst anlässlich seines 50. Geburtstages gerade eine große Werkschau aus. Für Hoch ist Tuymans „Der Maler des Unmalbaren“, der das Grauen auf die Leinwand bannt. Sein beklemmendes Werk (seine Themen reichen von Holocaust, über Brustkrebs, bis Kindesmissbrauch) habe ihn zum Star gemacht. Weiterlesen …

Flämische Meister, Flandern

Auch das größte Genie guckt mal ab – Rubens-Schau Städel

Im Juni beginnt das große Barockjahr in Antwerpen. Doch schon jetzt könnt ihr euch mit dem vielleicht prominentesten Vertreter der Flämischen Meister und „Barockstar“ Peter Paul Rubens beschäftigen. Ab dem 8. Februar wird in Frankfurt im Städel Museum die Ausstellung „Rubens. Kraft der Verwandlung“ präsentiert. „Diese Ausstellung“, so meinte die Frankfurter Rundschau kürzlich, „wird in Frankfurt mit Sicherheit zum Publikumsmagneten des Jahres werden“. Auch ich kann euch diese Ausstellung nur wärmstens ans Herz legen: Sie ist sicher eine ideale Einstimmung auf das Themenjahr. Schließlich widmet sie sich einem eher wenig beachteten aber vielleicht einem der spannendsten Aspekte in Rubens‘ künstlerischem Werk: der Auseinandersetzung des Malers mit Quellen und Vorbildern.

Datierung: o. J.Material/Technik: Skulptur / weißer MarmorHöhe: 147 cmInventar-Nr.: MA562

Römisch, Der von Cupido gezähmte Kentaur, Département des Antiquités grecques, étrusques et romaines, Museé du Louvre, Paris © bpk / RMN – Grand Palais

Rubens, Peter Paul; Kentaur, von links, Italien, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Z 05888, Köln

Peter Paul Rubens (1577-1640), Kentaur von Cupido gezähmt, Um 1601/02, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_c016031

Zeitlebens orientierte sich Rubens an der Bildhauerkunst der Antike und der Renaissance. In Rubens’ umfangreichem Werk findet ihr auch Einflüsse späterer Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, er machte dazu Anleihen bei den alten Meistern des ausgehenden 15. Jahrhunderts und bei seinen Zeitgenossen. Die Schau zeigt zugleich, dass es hierbei nicht um einfaches Abkupfern ging. „Aus diesen fremden Formeln entstehen eigene Ideen, die in rasch ausgeführte, erstaunlich modern anmutende Federzeichnungen einfließen und dann durch Ölskizzen ausgearbeitet werden“ so steht es auf der Website des Kunsthistorischen Museums Wien zur Ausstellung. „Damit eignet sich Rubens Schritt für Schritt die Kunst der Anderen in teils unerwarteter Weise an und machte sie zu seiner eigenen. Es entsteht ein riesiges Repertoire, aus dem er beständig Neues schöpft.“ Weiterlesen …

Flandern, Kultur

Von Käfern, Kirchen und Kreuzen – Jan Fabre, der Allroundkünstler aus Antwerpen

Jan Fabre ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler Belgiens. Und wohl eine der innovativsten und bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen zeitgenössischen Kunstszene. Vielleicht habt ihr schon mal etwas von ihm gesehen? Etwa auf einer Biennale in Venedig oder bei der Documenta IX in Kassel, in der Eremitage in St. Petersburg oder bei der gerade eröffneten Kunst-Triennale „Het Vlot“ in Oostende, die er kuratiert? Die Liste seiner Ausstellungen und Inszenierungen ließe sich noch endlos fortsetzen. Fabre ist nicht nur Zeichner und Bildhauer, sondern auch Autor, Dramatiker und Regisseur sowie Choreograph und Bühnenbildner von europäischem Rang. In Sachen Vielseitigkeit übertrifft er damit wohl sogar den anderen berühmten Antwerpener Künstler, Peter Paul Rubens. Würde man auf einer Visitenkarte alle Funktionen Jan Fabres aufzählen, der Platz würde nicht reichen. Ihr kennt den Allroundkünstler aus Antwerpen noch nicht? Dann wollen wir ihn euch hier kurz vorstellen. Weiterlesen …

Antwerpen, Flämische Meister, Kultur

Zum Anbeten schön: Barocke Kirchenkunst in Antwerpen

In Antwerpen kann man als Besucher schon mal in die Knie gehen… Etwa in den monumentalen Kirchen wie der majestätischen Liebfrauenkathedrale, der Sankt Pauluskirche, der Sankt Andreaskirche, der Sankt Carolus Borromäuskirche oder der gerade restaurierten Sankt Jakobskirche. Die sind nämlich einfach zum Anbeten schön! Und das nicht nur wegen der prachtvollen Architektur, sondern auch wegen der bedeutenden Gemälde und Skulpturen, die Künstler von Weltrang hier hinterlassen haben – allen voran die flämischen Meister wie Rubens, Jordaens oder Van Dyck. Kirchen gehörten schließlich zu den wichtigsten Auftraggebern neuer Werke für Rubens und seine Zeitgenossen. Viele davon sind heute noch erhalten und vor Ort zu besichtigen. Macht euch doch mal auf eine Reise ins Barock und folgt den Spuren der großen Künstler! Weiterlesen …

Flämische Meister, Gent

Ein Meisterwerk unter der Lupe: der Genter Altar wird restauriert

Gent hat viele Gesichter – dass die Stadt ein Paradies für Vegetarier ist und man hier spannende Hot Spots der Street Art Szene findet, haben wir euch schon verraten. Darüber hinaus ist die zweitgrößte Stadt Flanderns ein pulsierender Ort der Kunst und Kreativität. Hier haben neben Graffiti-Künstlern auch die Alten Meister ihre Spuren hinterlassen.

Während ihr durch den mittelalterlichen Stadtkern Gents mit seinen romantischen Gassen und malerischen Plätzen schlendert, könnt ihr einzigartigen Kunstschätzen begegnen. Das absolute Highlight: Der Genter Altar.

Der weltberühmte Flügelaltar rund um die Anbetung des Lamm Gottes hat eine wechselvolle Geschichte: Das im Jahr 1432 von den Brüdern van Eyck geschaffene Meisterwerk hat den Bildersturm überlebt, ist unter Napoleon in französische Hände gefallen und wurde im Zweiten Weltkrieg vom nationalsozialistischen Deutschland als Eigentum eingefordert. Heute hängt der fast 4 Meter breite und mehr als 5 Meter hohe Meilenstein der Kunstgeschichte wieder in der St. Bavo Kathedrale. Zumindest ein Teil der 26 Bildtafeln; denn das Meisterwerk wird gerade im Museum für Schöne Künste (MSK) aufwändig restauriert. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten, die noch bis 2019 andauern werden, sind ebenso spannend wie die Geschichte des Altars selbst. Acht Restauratoren arbeiten ganztägig an den Tafeln und haben bereits zahlreiche bislang unbekannte Schichten freigelegt. An jedem letzten Mittwoch des Monats beantworten die Restauratoren im MSK die Fragen der Besucher. Weiterlesen …