Flandern

Kunst in der Stadt – Streetart in Antwerpen

Früher fand ich Graffitis total hässlich. Vor allem diese Schriftzüge, die wunderschön renovierten Häuser verschandeln und wie mit einem Untertitel zu sagen scheinen: „Schönheit ist vergänglich“.
Doch dann entdeckte ich die Welt der Straßenkunst:. Ich erkannte, dass Straßenkunst nicht immer nur als Verschandelung zu sehen sein muss. Ich realisierte, dass zahlreiche Kunstwerke eine Botschaft zu überbringen haben. Und das vor allem Städte mit vielen sozialen Herausforderungen oft eine Vielzahl von richtig guten Kunstwerken zu bieten haben.

© Janett Schindler

Gibt es Streetart in Antwerpen?

Um ganz ehrlich zu sein – bisher kam mir Antwerpen nicht wie eine Stadt vor, in der sich Straßenkunst wirklich gut entfalten kann. Doch da habe ich mich gewaltig getäuscht. Antwerpen? Das ist nicht nur Rubens und Snijders – das ist nicht nur barocke Kirchenkunst und Architektur des 19ten Jahrhunderts.

© Janett Schindler

Wir treffen Tim Marschang vor dem Rubens-Haus. Er ist das, was man in Sachen Streetart in Antwerpen einen Experten nennt. Wenn jemand über die Künstler, Kunstwerke und vor allem neue Straßenkunst Bescheid weiß, dann er. Seine „Straßenkunst-Touren“ durch Antwerpen bietet er über Facebook an – und zeigt seit neuestem auch vier „barocke“ Kunstwerke. Ich bin neugierig – denn auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon mehr als einem Tag in der Stadt in Flandern unterwegs war – wirklich viel „Streetart“ habe ich nicht entdecken können.

© Janett Schindler

Streetart, so erfahren wir von Tim, gibt es schon recht lang in Antwerpen. Bis vor wenigen Jahren war diese Art der Kunst jedoch nicht so gerne gesehen. Zu sehr dachte man an einfache Tags (Schriftzüge), die schöne Häuser verschandeln könnten. „Heutzutage gibt es viele richtig gute Künstler, die sich nicht mehr in einer Nacht- und Nebelaktion illegal an Häuserwänden betätigen müssen“ berichtet er.

© Janett Schindler

Viele der schönen Kunstwerke sind Auftragsarbeiten, für die teilweise internationale Größe eingeladen werden. So kommt es auch, dass wir auf unserer Tour durch Antwerpen den Künstler el Mac in Aktion sehen. Er zeichnet ein Portrait eines alten Mannes – und ein wenig erinnert mich das Bild auch an Bleistiftzeichnungen von Rembrandt. An einer Hauswand – etwas abseits der Haupteinkaufstraße – ist es mittlerweile in seiner finalen Version zu bestaunen.

© Janett Schindler

Kleine Schätze in der Altstadt von Antwerpen

Irgendwann habe ich die Orientierung verloren. Wo uns Tim hinführt? Keine Ahnung. Und doch entdecken wir durch ihn ein Antwerpen der völlig anderen Art. An einer Schule sitzt eine Hexe auf einem Baum während Fabelgestalten am Baum sägen, und keine paar Meter weiter ist ein kleines Streetart an der Wand eines Parkhauses zu entdecken.

„Es gibt noch viele Häuserwände in dieser Stadt, die auf diese Art verschönert werden können“ berichtet Tim – aber noch sei es eher eine Seltenheit – das Wände für Streetart freigegeben werden. Wir erreichen die Einkaufsstraße. Es ist Samstag und richtig viel los. Neben einem C&A bleiben wir stehen. Als unser Guide nach oben schaut, fällt mir auf: Das Bild ist gar keine Werbung! Dreamin‘ of inspiration von britischen Künstler Smug wirkt so echt – im ersten Moment kann ich hier gar nicht den Unterschied zwischen einem Foto und einem gemalten Kunstwerk erkennen. Und genau das ist die Kunst dabei. Immer mehr werde ich von zahlreichen Details im Bild gefangen und entdecke Parallelen zur barocken Kunst.

© Janett Schindler

Irgendwie passend – Kunst fotografieren

In der Kopstraatje haben sich viele Künstler ausgelebt. Und wisst ihr was ich dort finde? Das perfekte Streetart für mein Kleidungsstück. Gut – an der Farbe muss ich noch ein wenig arbeiten – aber sieht es nicht wirklich gut aus?
Gut 90 Minuten sind wir mittlerweile mit Tim unterwegs. Seine Touren sind jedes Mal anders, erzählt er uns, denn immer wieder kommen neue und spannende Kunstwerke dazu. Mittlerweile git es auch eine App und eine digitale „Streetartkarte“ – auf der nicht nur die barocken Murals zu finden sind.

© Janett Schindler

Unsere Tour endet am Kunstwerk von Rise One am Eiermarkt. In großen Buchstaben ist dort an die Wand „ANTWERPEN“ geschrieben. Wir nehmen Abschied von Tim und sind sicher, dass wir uns nicht das letzte Mal gesehen haben. Denn die Touren des Streetartexperten führen ihn nicht nur durch das Stadtzentrum.
Weitere Infos zu Streetart in Antwerpen findet ihr hier.

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