Flandern, Kirsten Lehnert, Kulinarik, Mechelen

Als die Beginen zu brauen begannen

von Kirsten

Was haben die Beginen, Karl V. und Bier gemeinsam? Sie alle spielen eine Rolle in einer Geschichte aus Flandern. Ort des Geschehens ist Mechelen, das malerische flämische Städtchen mit seinen über 300 denkmalgeschützten Gebäuden – ein wahres Freilichtmuseum der Renaissance. Und die Geschichte beginnt an einem dieser besonders geschichtsträchtigen Plätze, dem Großen Beginenhof. Er zählt heute als einer von 12 Beginenhöfen in Flandern zum UNESCO-Weltkulturerbe. In dieser malerischen Anlage jedenfalls, bei der kleine Wohnhäuser samt Kapelle einen begrünten Innenhof umschließen, lebten die Beginen an der Grenze von Ordensleben und Laientum.

Das bessere Trinkwasser

Blick in den Beginenhof (c) Visit Mechelen, Koen Broos

Damals gab es hier auch ein Hospital und da das „Trinkwasser“ im Mittelalter bekannterweise selbst Gesunde umhauen konnte, begannen die hier lebenden Ordensschwestern 1471 damit, Bier zu brauen, um damit Kranke und Alte zu versorgen. Das gilt als die Geburtsstunde einer Brauerei, die heute zu den ältesten in Belgien zählt. So erklärt sich auch, warum die Brauerei, die heute eine der Attraktionen der Stadt ist, in der Krankenstraat – inmitten des Großen Beginenhofes – liegt.

Bier für Helden

Schon bald erweiterte die Brauerei ihre Kreise und braute 1491 ein Starkbier eigens für die Ritter, die sich aufmachten, das Goldene Fließ zu finden: das „Gouden Carolus Tripel“. Diesen Namen (Goldener Karl) erhielt es zu Ehren von Kaiser Karl IV, dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der in den burgundischen Niederlanden geboren wurde und in Mechelen aufwuchs.

Noch heute ist das „Gouden Carolus“ eine der Spezialitäten der Brauerei, die seit 1872 den Namen „Het Anker“ trägt und seitdem in guter alter Brautradition als Familienbetrieb in der fünften Generation geführt wird.

(c) Visit Mechelen

Vom „Gouden Carolus“ gibt es heute gleich mehrere Varianten. Die bekannteste ist das „Gouden Carolus Classic“, das 2010 beim internationalen Wettbewerb World Beer Awards mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde und der Brauerei zu Weltruhm verholfen hat. In den handgeklopften Kupferkesseln werden aber auch noch andere preisgekrönte Spezialbiere gebraut. Probieren lohnt sich!

Nachhaltiges Wirtschaften im wahrsten Sinne

Whiskey-Fans kommen im „Het Anker“ übrigens ebenfalls auf ihre Kosten. Auf dem Familienbauernhof De Molenberg, nur eine Viertelstunde mit den Auto von Mechelen entfernt, wird in der hauseigenen Destillerie seit 2013 der „Gouden Carolus Single Malt“ hergestellt. Dieser ebenfalls preisgekrönte, aber deutlich hochprozentigere Tropfen wird aus der Maische des Gouden Carolus Tripel destilliert. Das nennt man wohl nachhaltiges Wirtschaften!

(c) Het Anker

Spannende Einblicke

Wenn Ihr Euch nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Geschichte und den Herstellungsprozess interessiert, könnt Ihr sowohl in der Brennerei als auch in der Brauerei Führungen – sogar in deutscher Sprache – buchen. Ich empfehle dringend, vorab zu reservieren, denn die Plätze sind begehrt.

Alle Biere könnt Ihr im „Het Anker“ übrigens ausgiebig kosten. Die Brauerei verfügt nämlich nicht nur über eine urige Brasserie, in der man auch lecker essen kann, sondern bewirtschaftet daneben sogar ein Hotel. Und so könnt Ihr mitten in Mechelen sicher himmlisch schlafen – nicht nur mit Blick auf die Brauerei, sondern auch auf den so (bier-)geschichtsträchtigen Beginenhof.

Blick in die Brasserie
So golden wie das Bier: Die Zimmer im Hotel Brouwerij Het Anker.

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