Flandern, Kultur

Chambre Privée – Im Wohnzimmer mit den Flämischen Meistern

Ward ihr schon mal bei einem Kunstsammler zuhause? Könnt Ihr euch vorstellen, wie jemand, der kostbare Bilder etwa von den Flämischen Meistern besitzt, diese in den eigenen vier Wänden anordnet? Hängt ein Brueghel über dem Sofa? Und gleich neben dem Fernsehsessel ein Brouwer? Sieht ein passionierter Kunstsammler überhaupt fern? Da möchte man doch gerne mal einen Blick durchs Schlüsselloch werfen.

Private Einblicke

Chambre Privée, © Peter Hinschläger

Ein 91-jähriger Kunstsammler erlaubt jetzt einen solchen, seltenen Blick in seine Privaträume. Das bedeutet nicht, dass er die kunstinteressierte Öffentlichkeit in Scharen durch sein stilvoll eingerichtetes heimisches Wohnzimmer laufen lässt – schließlich möchte der alte Herr auch gern anonym bleiben. Nein, seine kunstvoll bestückten Räume kommen ins Museum: als Pop-up-Wohnzimmer mit Originalbildern und mit Fotowänden, auf denen Ambiente und Atmosphäre des Sammler-Zuhauses eingefangen sind. Die Idee, Einblicke in die Wohnzimmer von Privatsammlern zu geben, hatte Sarvenaz Ayooghi, Gemäldekuratorin am Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Und sie entwickelte daraus das ungewöhnliche Ausstellungsformat „Chambre Privée“, das am 8. November mit der Schau der Flämischen Meister im Kaminraum des Museums startet. Drei Monate lang, bis zum 3. Februar 2019, sind dann die privaten Räume des Sammlers, der auf flämische und holländische Malerei spezialisiert ist, für Besucher „begehbar“.

 

 

Ihr seht opulente Blumenbouquets und Silberpokale, im Vitrinenschrank Meissner-Figuren und barocke Buckelgläser, auf der reich verzierten Rokoko-Kommode eine kostbare Empire-Tischuhr. Alles ist sorgsam arrangiert und gerahmt von gerafften Vorhängen – als beträte man ein Stillleben. Und dann wird der Blick gefesselt von den Gemälden an den Wänden. Hier hängen 14 echte Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter die „Seeküste mit Scipionengrab“ von Jan Brueghel d.Ä. oder die wunderschöne Berglandschaft von Paul Bril, aber auch Bilder von Ambrosius Bosschaert über Frans Snyders bis Adriaen Brouwer.

Frans Snijders, Stillleben mit Tazza, Früchten, Wild und Vögeln

Die Sammlung

Die Sammlung ist zwar klein, aber oho. Sie ist qualitativ sogar so hochwertig, dass sie immer wieder Museumsdirektoren renommierter internationaler Häuser mit Kaufabsichten in das Wohnzimmer des Sammlers lockt. Doch der bleibt in der Regel hart. Im „Chambre Privée“ kommt die Sammlung nun erstmals ins Museum. Zwar nur zeitweise, aber so bleiben die Kunstwerke weiterhin zusammen und das auch noch in dem vom Sammler liebevoll gestalteten Kontext. Und wir müssen nicht durch Schlüssellöcher gucken ….

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